Dienstag, 16. Oktober 2007


schlafplatz nach dem frühstück

such das kamel!


gymnastik x 2 (die süße im vordergrund ist samha, mein mädchenkamel, die einzige vierbeinige dame im trupp)

schönes desktop-bild:


der beduine ganz links ist eigentlich kanadier ;)


die aufschrift fand ich einfach zu gut

Dienstag, 9. Oktober 2007

Sodele, das Appartement ist fast fertig eingerichtet, die Doppelposts sind gelöscht (auch wenn ich sie noch angezeigt bekomme, hoffe ich doch, dass sie in Wirklichkeit schon weg sind…) und die Bilder vom vergangenen Wochenende sind hochgeladen.

Allerdings habe ich trotzdem keine Zeit, hier viel rumzulabern, denn morgen geht’s mit ein paar Leuten nach Damaskus. Keiner von uns hat ein Visum, aber mit ein bisschen Wartezeit kommen wir rein, haben uns unsere arabischen Freunde versprochen. Ich bin gespannt und packe sicherheitshalber das Backgammonspiel, Karten und haufenweise Batterien für den MP3-Player ein. Wir planen am Tag nach dem Zuckerfest, id al-fitr, zurückzukommen. Allerdings haben sich die Gelehrten noch immer nicht darauf geeinigt, an welchem Tag der Ramadan endet. Ich vermute, dass ich spätestens am Montag wieder online sein werde.

Betüttelt also derweil mein verwaistes Blog und denkt an mich. Ich hoffe, ich werde in Damaskus tanzen gehen, billig shoppen und wie irre fotografieren ;)

Lustig finde ich übrigens, dass in Amman Salsa total angesagt ist – es gibt offensichtlich haufenweise Clubs, die keineswegs nur von Ausländern besucht werden. Im Gegenteil.

Mal schau’n, vielleicht mache ich auch einen Kurs, wenn ich zurück bin. Die Hüften sollen schließlich geschmeidig bleiben und immer allein mit Kopfhörern tanzen, ist … – Ihr wisst schon, was ich meine.

Sonntag, 7. Oktober 2007

öhm, ja, also.

"ihre anfrage konnte nicht bearbeitet werden, bitte versuchen sie es erneut"

und dann doch wieder ein doppelpost... naja, ich versuch das morgen zu reparieren...
noch eben was zum thema seltsame technikwelt:

ich gebe zu, der letzte post hätte auch in einfacher version gereicht. allerdings wurde und wird (es sind mittlerweile gut 80 minuten vergangen) er mit dem firefox nicht angezeigt. mit dem explorer dagegen sehr wohl. allerdings kann der explorer nicht auf das konto selbst zugreifen, so dass ich mich wieder mit dem füchschen einloggen musste. dabei streikt der sonst normalerweise, wenn ich mich anmelden will...

wer's versteht, kläre mich auf!

Yippieh! Ich bin umgezogen. Nie wieder eine Schließzeit, kein Abmelden für Trips oder wegen anderer Gründe auswärts verbrachte Nächte und niemand mehr, der mich darauf aufmerksam macht, dass man mich mitsingen hört, wenn man im Gemeinschaftsraum einen Film guckt. Amira sah traurig aus, aber ich weiß, dass das nicht nur wegen mir ist, sondern weil ihr Leben gerade wirklich schwierig ist.

Allerdings musste ich zunächst denken, dass es sei ein Riesenfehler gewesen, hier einzuziehen. Dass das Badezimmer eine Staubwüste sein, der Kühlschrank müffeln, die Küchenplatte kleben würde und überhaupt überall Mengen dieses roten Staubs rum liegen würde, hatte ich nicht erwartet. Auch der Teppich ist noch der alte – des Ramadan wegen, wie mir der Vermieter lachend erklärte. Gut, dachte ich, dann machste halt morgen selber sauber. Das Bad bekam eine Dusche und dann wollte ich zumindest mal eben durchsaugen. Nachdem ich den Stromadapter bezwungen hatte – der vorhandene wollte ebenso wenig funktionieren wie mein mitgebrachter – stand ich in einer Wolke aus Staub, verfluchte mich dafür, dass ich meine Tasche bereits geöffnet hatte, und wär am liebsten sofort wieder ausgezogen. Ich marschierte zum Vermieter und der Grund zur Klage war offensichtlich.

Der hauseigene Ägypter (nicht ganz politisch korrekt, aber mir fällt grad keine bessere Formulierung ein) war nicht zu erreichen. Er hatte wohl vor einer Woche das Studio geputzt, aber den gründlichen Augen einer Deutschen war das eben nicht genug. Also sollte er noch mal ran und ich sollte ihm sagen, was mir nicht sauber genug war. Seltsame Vorstellung.

Ich wollte nur noch raus aus dem Staub und hab mich zur Lerngruppe bei Jay verdrückt. Ziemlich unnütz, denn sie waren schon fast fertig. Ich berichtete zum Amüsement aller von der cloud of dust und dass ich morgen Putzzeug kaufen will.

Zu meiner Überraschung stand meine Zimmertür weit offen, als ich wieder nach Hause kam. Drinnen wirbelten der Vermieter und Haitham, das ägyptische Mädchen für alles, die Staublappen. Ich setzte mich daneben, stöpselte das Modemkabel ein und alles war gut. Ich denke, hier kann ich es aushalten.

Morgen gibt es die Bilder von meinem fantastischen Wochenendtrip, jetzt wird erstmal geschlafen. Danke jedenfalls für die besorgten Nachfragen ;) Ich hatte einfach zu viel zu tun, um mich abends noch aufzuraffen und meinen Tag zu tippen... shame on me!


Samstag, 6. Oktober 2007


Dana Nature Reserve - das mit dem Grill müssen wir noch mal üben, aber der Blick in den Nachthimmel am Abend zuvor war einfach überwältigend. Da konnte man glatt den Hunger vergessen ;)


Im Wadi Mujib konnte ich leider keine Fotos machen. Es war ein großer Spaß, die ganze Zeit durch das Flüsschen waten, aufpassen, dass man in den Stromschnellen nicht weggespült wird und sich über kleine Wasserfälle kämpfen - das hätte meine Kamera nicht überlebt, aber sollte ich da noch mal hinfahren, kauf ich definitiv vorher ne wasserdichte Wegwerfkamera. Hier: Nass und glücklich.
Und dann noch Baden im Sonnenuntergang, äh, im Toten Meer:

Freitag, 5. Oktober 2007

Blick vom King's Highway...

... ins Wadi Mujib
auch für Pflanzenvernarrte schön :)


Größenvergleich:
Festung Kerak - und man darf wirklich überall hochklettern, unvorstellbar in D...

Montag, 1. Oktober 2007

Im Ramadan recherchieren scheint eine wirklich blöde Idee zu sein. Im Moment scheint wirklich jeder nur noch darauf zu warten, dass der Monat ein Ende hat. Meine Gesprächspartnerin heute war immer wieder geistig abwesend und wirkte als könne sie es kaum abwarten, dass ich das Gespräch endlich beende und sie nach Hause kann, um endlich Ruhe zu haben. Unser arabischer Nachhilfelehrer – ein Freund von Jay, der aus Palästina stammt, in den Emiraten und Syrien aufgewachsen ist und jetzt in Amman studiert – erzählte mir gestern, dass er sogar froh ist, seine Zeit mit uns verbringen zu können, weil er so nicht die ganze Zeit auf das Essen am Abend wartet, sondern abgelenkt ist. Das Essen zum Sonnenuntergang heißt übrigens ifthar, ein Wort, das eigentlich für Frühstück benutzt wird.

Ich war im „Books and Café“, das in wirklich jedem Reiseführer erwähnt wird. Es wirkte ganz nett, obwohl man wegen des Ramadan nicht draußen sitzen konnte, weil die Nachbarn auf trinkende und essende Gäste sicher allergisch reagieren würden. Selbst das Sonnensegel über dem Glasdach wurde erst kurz vor dem Fastenbrechen aufgerollt – und ich vermute stark, dass das nicht nur wegen der tagüber stechenden Sonne geschah. Auffällig fand ich außerdem, dass die weiblichen Bedienungen ausnahmslos aus dem asiatischen Raum stammten. Die Männer, die die Abendschicht übernahmen, waren mit ihren kahlgeschorenen Köpfen und ihrer hellen Haut überhaupt keiner Nationalität zuzuordnen – sie hätten genauso gut hinter einer Theke in Berlin oder London stehen können.

Die Kurzgeschichte im Unterricht heute war nett, unser Montagslehrer Khalid ist wirklich klasse: Zwei Enten leben an einem See, der plötzlich Wasser verliert. Sie beschließen ihn zu verlassen und wollen sich von ihrer Freundin, der Schildkröte, verabschieden. Die protestiert und klagt, dass sie doch noch viel weniger ohne Wasser leben könne. Also überlegen die Enten nicht lang und schlagen der Schildkröte vor, dass sie sie mitnehmen werden – und zwar mit Hilfe eines Stocks, den sie mit ihren Schnäbeln tragen werden und an dem sich die Schildkröte mit dem Maul festhalten soll. „Aber wir dürfen nicht sprechen“, warnen sie sich gegenseitig. Geplant, getan, los geht der Flug. Und alle Leute schauen zu ihnen hinauf und staunen. Das passt der Schildkröte nicht und sie gibt einen Fluch von sich, so á la „Möge Gott/Allah Euch Böses schicken“. Klar, sie fällt und stirbt. Die Moral der Geschichte? Wohl so was in der Art wie: Lass die Leute lästern und kümmer dich nicht drum.

Morgen, wenn ich es richtig verstanden habe, bekommen wir mal wieder einen neuen Lehrer. Die Nachwuchslehrerin Hiba und wir kommen mittlerweile besser miteinander klar, der Unterricht macht endlich Spaß, weil wir vorankommen. Der Dritte, Osama, wird ausgetauscht – ich hoffe, ich habe das nicht nur verstanden, weil ich es verstehen wollte... Er war wirklich schrecklich. So hat er zum Beispiel immer versucht Englisch mit uns zu sprechen, obwohl er das nicht konnte. Statt alles in einfachem Arabisch mehrmals zu erklären, suchte er nach Worten und sprach sie teilweise so falsch aus, dass nichts davon Sinn machte. Dass er immer „Im Namen Gottes“ an die Tafel schrieb, bevor er irgendetwas anderes schrieb, fand ich ja noch lustig. Ich konnte auch akzeptieren, dass er versuchte, Grammatikfragen mit Koranzitaten zu beantworten. Der Koran ist schließlich die Grundlage des Hocharabisch. Dass er aber eine Stunde lang das Alphabet mit uns übte und trotzdem sämtliche Worte in Schnellschrift, die in etwa meiner deutschen Handschrift bei Pressekonferenzen entspricht, also quasi unleserlich ist, auf die Tafel krakelte, fand ich dagegen voll daneben. Der hatte sicher noch nie ein Didaktikbuch in der Hand. Jemand hat mir auch erzählt, dass er zuvor im zweiten Level unterrichtet hat, aber nach den ersten Beschwerden zu uns geschickt wurde. Ob er jetzt arbeitslos ist? Das wünsch ich ihm natürlich nicht – aber als Sprachlehrer war er definitiv ne Fehlbesetzung.

So, genug gelästert, liebe Schildkrötenfreunde. Der Wecker klingelt um 7.31.

Aaah, verdammt! Ich glaub, ich hab mal wieder stechenden Besuch. Jetzt muss ich doch noch mal das Licht anmachen und auf die Jagd gehen. *grrrrrrrrr* ... das mistvieh hat es tatsächlich geschafft, mich innerhalb von sekunden viermal in den linken fuß zu stechen und sich dann so wirkungsvoll zu verstecken, dass meine jordan times keine chance hatte. noch dazu war es immer noch hungrig, wie ich heute morgen an dem juckenden fleck auf meinem arm feststellen konnte. *grmpf*
alles gut, ziemlich heiss wieder, ich fleissig.

deshalb kein langer text, aber ich lebe noch und plane schon wieder tolle sachen...

morgen vielleicht wieder mehr.

ma-salama ist der abschiedsgruss und bedeutet soviel wie mit der wohlbehaltenheit

ein strahlendes laecheln fuer euch alle

:))

Samstag, 29. September 2007

Das war ein guter Tag. Er begann klassisch arabisch. Um acht sollte der Bus starten, gegen neun tauchte unser Begleiter vom Lehrpersonal auf. Allerdings war der Bus zu voll und mein Name auf der Liste derer, die sich angeblich zu spät angemeldet hatten und deshalb wieder nach Hause gehen sollten. Im Verlauf der Woche sollten wir den Ausflug dann nachholen können. Wir protestierten, ich vorneweg, denn wir hatten uns tatsächlich rechtzeitig angemeldet. Allerdings hatten wir unsere Namen auf die Rückseite der Liste geschrieben, weil die Vorderseite bereits voll war. Der Protest tat seine Wirkung, ein zweiter, kleinerer Bus wurde organisiert und kurz vor zehn ging es dann tatsächlich los.

Zuerst ging es zum Berg Nibou, auf dem Moses zum ersten Mal das Gelobte Land gesehen haben soll. Leider war es sehr dunstig, so dass man kaum das Tote Meer und den Jordan erkennen konnte. Trotzdem war die Sicht mal wieder überwältigend, in der kleinen Kirche auf dem Berg gab es wunderschöne Glasfenster und bunte, kunstvolle Mosaike. Wir hatten ganze zwei Stunden Zeit umherzuwandern und die Sicht zu genießen. Janneke hatte wunderbarerweise Brot und Humus dabei und hat es großzügig mit uns geteilt, während wir hinüber nach Israel schauten.

Danach ging es nach Madaba, das vor allem für seine Mosaike bekannt ist. Leider mussten wir im Schnelldurchgang durch die Mosaikausstellung hetzen, weil unsere Begleiter – das unterstelle ich jetzt mal bösartigerweise – früh Feierabend machen wollte. Nizar ist einer der Arabischlehrer des Sprachzentrums und stammt aus Madaba, am Ende des Ausflugs blieb er in „my town“. Nach dem Museum ging es in ein Restaurant, obwohl die meisten von uns lieber sofort zurück nach Amman gefahren wäre. So saßen sechzig Leute im Obergeschoss eines Restaurants, warteten sicher eine Stunde lang auf eher teuere Sandwichs und kalte Getränke, um danach durch die St. Georges-Kirche gejagt zu werden, die für ihr Landkartenmosaik des alten Arabien berühmt ist. Die Kirche an sich ist nett, weil orthodox und daher voll mit Heiligenbildern und pompösen goldenen Kronleuchtern, das Mosaik allerdings ist nur noch teilweise erhalten und im Vergleich zu den vorher gesehenen deshalb eher unspektakulär.

Zurück in den Bus und nicht mal eine Stunde später waren wir wieder in Amman.

Ich war schon gestern mit Megan (das ist übrigens die korrekte Schreibweise *schäm*) zum Lernen verabredet, aber weil sie recht weit außerhalb bei ihrer Gastfamilie wohnt, hatte sie mir gestern Mittag abgesagt. Heute wollten wir das Lernen nachholen und landeten schließlich bei Jay (keine Ahnung, ob ich das jetzt richtig geschrieben habe...), ebenfalls Amerikaner und in unserer Gruppe, der ganz in der Nähe der Universität ein Appartement mit einem arabischen Studenten teilt. Im Haus wohnen noch andere junge Leute, unter anderem Leila, eine superhübsche Französin, die ebenfalls im Sprachzentrum lernt. Er war mit Ahmed, einem Jordanier, zum Lernen verabredet und davon profitierten auch Megan und ich. Die kurze Stunde war total klasse – er las uns den Text vor, ließ dann uns lesen und korrigierte unsere Aussprache (ich habe echte Probleme mit dem R) und stellte dann Fragen zum Text. Morgen wollen wir uns wieder treffen. Ich freue mich total darauf.

Gegen sechs kamen Leila und ein weiterer arabischer Freund, dessen Namen mir gerade entfallen ist und der mit ihr ein französisch-arabisches Sprachtandem bildet, und wir gingen in ein Restaurant in der Nähe. Drei verschiedene Arten Huhn mit Reis und Joghurt, Salat und Datteln und zum Abschluss arabischer Kaffee mit Kardamon. Wir schlugen uns die Bäuche voll und hingen dann für eine Weile zufrieden in den Kissen, tauschten englische, arabische, französische und deutsche Worte und lachten eine Menge.

Megan verabschiedete sich danach, ich begleitete Jay in sein Appartement. Eigentlich wollten wir noch eine Runde lernen, aber dann saßen wir doch nur auf seinem Balkon, von dem man einen tolle Blick auf das umliegende Viertel hat, und redeten über seinen Studienaufenthalt in Deutschland, die faszinierende Verbreitung der englischen Sprache selbst in wenig entwickelten Ländern und unsere Zukunftspläne. Er ist zum zweiten Mal in Jordanien und will in den Flüchtlingscamps arbeiten. In den nächsten Monaten will er sich einen Job suchen und dann versuchen als freiwilliger Helfer Fuß zu fassen.

Netterweise begleitete er mich nach Hause, denn mein Hostel liegt auf der anderen Seite des Campus und es war mittlerweile auch dunkel. Ich war wirklich froh über die Begleitung, denn auf dem Weg waren kaum Menschen zu Fuß unterwegs, außerdem liefen wir sicher eine Dreiviertelstunde lang. Wir wechselten immer mal wieder in Deutsch, weil er sein Deutsch erhalten möchte, aber schon lange nicht mehr gesprochen hat, unterhielten uns über Musik, Jordanien und schmutzige Witze. Für den Rückweg hab ich ihm meinen MP3-Player geliehen, morgen will ich ihm den USB-Stick voll mit deutschsprachiger Musik mitbringen.

Zu Hause zog ich noch alle Fotos und die Videosequenzen, die ich aus dem Bus heraus gemacht habe, auf den Rechner. Dann klopfte Amira und wir quatschten eine kurze Weile. Sie hat Probleme mit einem ihrer Partner, weil der gerade von ihr verlangt, dass sie ihm das Manuskript für ihr zweites Buch über Jordanien überlässt, die finanzielle Gegenleistung aber auf später verschieben will.

Jetzt bin ich müde und will nur noch schlafen, werde aber vielleicht noch mal die Vokabelkarten durchgehen. Morgen beginnt der Kurs zwar erst um elf, aber ich würde gern früher aufstehen, um einen Teil der Übungen vorzubereiten. Mal schauen, was mein innerer Schweinehund dazu sagt...
Richtung Israel

Taufbecken und Kreuz auf dem Mount Nibou

Mosaikdetail in der Kirche auf dem Berg

ziemlich freizügiges Mosaik in Madaba (die zweite Person rechts ist eine barbusige Frau...)

Kronleuchter in St. Georges



Donnerstag, 27. September 2007

Interessant bei wie vielen Gelegenheiten man Vokabeln lernen kann: Zähne putzen, nähen, Nägel feilen. Ich bin gespannt, wie lange meine Motivation anhält.

Tatsächlich tue ich sonst nicht viel. Gestern habe ich den Ausgang verschlafen. Wegen des Ramadan ist das Hostel zwischen 18 und 20 Uhr geschlossen. Ich war zwar mit den anderen Deutschen verabredet, aber aufgewacht bin ich leider erst kurz nach sechs. Ich könnte glatt meine gesamten Tage verschlafen. Jedenfalls blieb ich zu Hause und verbrachte den Abend mit Deutsche Welle TV und Amira. Genau wie den heutigen Tag. Amira hat Archäologie studiert und schreibt gerade an ihrem zweiten Buch über Jordanien. Ihr erstes Buch über Petra hat sie mir gezeigt, die Bilder sind wirklich überwältigend, die meisten russischen Buchstaben kann ich ja leider nicht mal mehr entziffern. Allerdings kam sie heute mit einer Theorie um die Ecke, nach der die monumentale Bauten schlechterdings von Hand in den Stein gehauen worden sein können, sondern mit irgendeiner Technologie geschaffen worden sein müssen, von der wir heute keine Ahnung mehr haben. Ich kann schon verstehen, wie man auf so eine Idee kommt. Denn sich vorzustellen, dass die riesigen Grabstätten mit Hammer und Meißel in den Stein gehauen wurden, ist wirklich schwierig. Dass die Menschheit allerdings Ergebnis eines genetischen Experiments ist, war mir dann doch zu abenteuerlich.

Immerhin habe ich sie mittlerweile davon überzeugt, dass ich für eine Beziehung mit einem arabischen Mann nicht gebaut bin. In den Tagen davor wollte sie einfach nicht glauben, dass ich hier keinen Mann suche. Aber nachdem ich ein paar von meinen Vorstellungen von einer gleichberechtigten Partnerschaft zum Besten gegeben habe, ist sie der Meinung, dass ich einen solchen Mann hier nicht finden werde. Weitere Kuppelversuche werden also ausbleiben, die Einladung zum Essen mit ihrem Verlobten und dem Arzt Nashat entpuppte sich tatsächlich als ein solcher. Jetzt versteht sie auch, warum ich Nashat erzählt habe, das in Deutschland ein Mann auf mich wartet, den ich heiraten will. Bei dieser Lüge bin ich nicht mal rot geworden...

Mit Hilfe eines Vorwaschsprays bin ich jetzt auch mit dem Ergebnis der Waschmaschine zufrieden. Eigentlich wollte ich die ja schon gestern benutzen, aber angeblich gab es Probleme mit der Elektrizität. Das fand ich zwar seltsam, weil überall im ganzen Haus Licht, Kühlschränke und Fernseher normal funktionierten. Aber auch nach zweimaligem Nachfragen blieb die Begründung gleich, also hab ich sie hingenommen.

Was mich irritiert hat: Obwohl Freitag ist, waren fast alle Geschäfte hier um die Ecke geöffnet. Der Supermarkt, der Telefon- und der Fotoladen, die Apotheke. Nur der Buchladen hat irgendwie nie geöffnet, wenn ich vorbeilaufe. Genau wie die beiden Grillstuben – aber das liegt wohl am Ramadan. Man stelle sich einen Sonntag in Deutschland vor, an dem alle Geschäfte ohne Sondergenehmigung offen sind.

Jetzt ist es schon wieder ziemlich spät und morgen geht es mit dem Sprachkurs nach Madaba und auf den Berg Nibou. Mich erwarten Menschenmassen, uralte Mosaike und der Ausblick, der sich Moses bot, als er zum ersten Mal das Gelobte Land sah. Und wie Tawfiq Omar bei seiner Einführung anmerkte: Der Bus wird zu spät kommen, aber wir sollten pünktlich sein. 8 Uhr morgens ist ganz schön früh.

Am spaßigsten ist das Lernen übrigens, wenn mir plötzlich die Verwandtschaft zwischen den unterschiedlichen Vokabeln auffällt. So bedeutet dschaul so viel wie um oder herum, während tadschawala (das w ist ein geschriebenes u) das Wort für besichtigen, also für umherlaufen und staunen ist :) Noch ein Beispiel? auda bedeutet Rückkehr, a’ada bedeutet Tradition oder Sitte. (Das erste a wird übrigens tief hinten in der Kehle gesprochen, weil es kein a-lif, sondern das so genannte ain ist.)

Das ist natürlich prinzipiell nix Neues für Leute, die sich mit Arabisch beschäftigen, denn die gesamte Sprache ist so aufgebaut, dass man in der Regel aus drei beziehungsweise vier Konsonanten, der so genannten Wurzel, zig Worte bilden kann. Aber diese Verbindungen so nach und nach zu entdecken und nachzuvollziehen, macht wirklich Laune.


so, heute ist waschtag (eventuell gehts mit den anderen heut abend noch nach downtown). morgen ist lerntag (am freitag kann man eh nix anderes machen...). übermorgen ist triptag (nach madaba und auf den mount nibou). und erst danach gibbet wieder neuigkeiten hier.

also nicht klagen! ;)

Mittwoch, 26. September 2007

wow, kaum schreib ich mal ein paar Tage nicht, schon gibt es Beschwerden ;)

tatsächlich habe ich vorgestern den Text über Petra geschrieben, weil ohnehin nicht viel in Amman passiert. und gestern habe ich fast nichts anderes getan als zu lernen, ich fleißiges Mädchen.

leider haben wir offensichtlich die schlechtesten Lehrer des gesamten Sprachkurses erwischt - bis auf einen, den wir aber leider nur einmal pro Woche haben. alle sind total gelangweilt und obwohl wir eigentlich die schwerste Stufe des dritten Levels sein sollen (fragt mich nicht, wie ich da rein geraten bin. es ist mir selbst ein rätsel...) haben uns die anderen längst überholt und bereits mit der zweiten Lektion angefangen. wir haben noch nicht mal die Übungen der ersten Lektion fertig und es ist kein Ende in Sicht. deshalb sitzen wir jetzt hier rum und warten auf Tafiq Omar, den Students Advisor, um uns zu beklagen. in'scha'allah taucht er in den nächsten Minuten auf, möglicherweise müssen wir auch länger warten. also nicht wundern, wenn der Text plötzlich abbricht…

tja, jetzt hab ich eben zwischendrin Mail an Mayuf geschrieben, weil ich doch nicht nach Syrien fahren werde an diesem Wochenende, und dann erfahren, dass unser Betreuer heute gar nicht da ist. Ich werde jetzt mit Meagan gehen und vielleicht mit ihr lernen, vielleicht auch einfach nur ein bisschen quatschen. Sie sagt, sie muss negative Energie loswerden, und ich bin gern in ihrer Gesellschaft.

Meagan wollte gern zu dem McDonalds, der gegenüber dem Haupteingang der Uni ist, um ihre Laune mit einem Kaffee aufzubessern. Die Chancen standen nicht gut, das war uns klar, aber wir wollten es versuchen. Tatsächlich waren die Türen verschlossen, aber ein Mann gab uns von innen Zeichen, dass wir durch den Drive Through laufen sollten. Und tatsächlich: Dort hinten gab es Kaffee und wenn wir gewollt hätten, alles andere auch. Wir verzogen uns in ein schattiges Eckchen unter Bäumen auf dem Parkplatz und beobachteten, dass noch andere diesen Trick kennen. Mehrer junge, offensichtlich arabische Männer kamen auf den Parkplatz gefahren, gingen zum Counter und verließen ihn mit gefüllten Tüten, die sie in ihren Autos sitzend leerten. Doppelmoral at its best. Und unsereins darf offiziell nicht mal im Sprachzentrum essen und trinken. Darüber darf ich nicht zu lange nachdenken...

Mein Rauchkonsum liegt mittlerweile leider wieder deutlich über fünf Stück täglich :(

Dienstag, 25. September 2007

Ich werde in die Hölle kommen. Jedenfalls wenn es nach den Beduinen geht. Denn eine Frau, die eine Katze in ihrer Wohnung duldet – egal ob sie sie füttert oder nicht – kommt in die Hölle. Von diesem Glauben hat mir der Verlobte von Amira, meiner russisch-ukrainischen Nachbarin, erzählt, als wir zum Essen in ein Restaurant fuhren. Ich hatte das Thema nicht angesprochen und nach der Geschichte auch geflissentlich verschwiegen, dass ich mich meinen Kater herzlich verbunden fühle.

Der scheint sich übrigens bei seinen Zweitmamas sehr wohl zu fühlen. Am Wochenende kam eine Mail mit Fotos vom ersten Ausgang. Die beiden haben ihm eine Katzentreppe vom Balkon aus gebaut. Und er hat sich benommen, wie ich ihn kenne: Er musste erst mit Fleischstückchen davon überzeugt werden, dass so eine Treppe eine feine Sache ist. Auf jeder Stufe lag ein Stück. Das Ganze sah auf den Bildern noch etwas wackelig aus, aber ich bin sicher, dass er mittlerweile gazellengleich hoch- und runterturnt und die neue Freiheit reichlich auskostet.



Das Essen jedenfalls war überwältigend. Wir mussten nicht mal zahlen, weil Nashat, der Freund von Osama, so heißt Amiras Verlobter, der Mutter des Besitzers des Jabri einmal das Leben gerettet hat. Nashat ist Kardiologe. Also saßen wir in diesem ziemlich vornehmen Restaurant – weiße Tischdecken, mit weißem und orangefarbenem Stoff überzogene Stühle und Stoffservietten. Um uns herum luden Männer, Frauen und Kinder die Tische voll und warteten auf den Moment des Fastenbrechens. Ehrlich! Ich hab noch nie so einen vollen Tisch gesehen. Vom Buffet schleppten Osama und Nashat alles auf einmal an: Suppen, Hauptspeisen, Salate, Desserts und Obst. Ich hatte mir nur einen Teller gefüllt und wollte, wie ich es gewöhnt bin, ein zweites oder drittes Mal ans Buffet gehen. Am Ende hätte wirklich nicht mal mehr eine Untertasse auf den Tisch gepasst. Die Minuten vergingen und ich habe nicht ganz verstanden, woran die Leute erkannten, dass sie mit dem Essen anfangen dürfen. Draußen war es definitiv noch hell. Ich vermute mal, dass es ein entsprechendes Stichwort in den überall präsenten Fernsehern gab, das ich nicht mitbekommen habe.

Besonders Nashat, der sich im Gegensatz zu uns anderen tatsächlich an das Ess- und Trinkverbot während des Tages hält, aß in einem atemberaubenden Tempo und unwahrscheinliche Mengen. Als er sich am Ende den Bauch hielt und das Gesicht schmerzlich verzog, konnte ich es mir nicht verkneifen zu sagen, dass er viel zu schnell gegessen habe. Als Arzt sollte er das doch wissen, er nickte dazu. Zu meiner Verteidigung: Er hatte vorher versucht mich anzutreiben, denn in seinen Augen aß ich viel zu langsam.

Woran ich mich auch gewöhnen musste: Die beiden Männer legten andauernd irgendwelche Fleischstücke auf meinen Teller, obwohl der durchaus gut gefüllt war. Zum Glück hatte ich schon gelesen, dass niemand von einem erwartet, dass man seinen Teller restlos leert. Im Gegenteil: Ein leerer Teller bedeutet, dass man noch Hunger hat. Also probierte ich alles durch und ließ schließlich meinen viertelvollen Teller abräumen.

Absoluter Höhepunkt waren natürlich die Desserts. Für die mächtige Schokoladencreme finde ich keine Worte außer lathith schiddan, sehr lecker. Was genau die Bestandteile der weißen Cremes war, kann ich nicht mal sagen. Irgendwelche Früchte und Gewürze und es schmeckte genauso gut wie der Käse in den süßen Teigtaschen. Mjam! Und ich gestehe: Mein Bauch fühlte sich danach auch ziemlich prall an ;)

Sonntag, 23. September 2007

Musik kann Leben retten. Ich hatte einen fiesen Tag. Der Trip nach Petra steckt mir in den Knochen. So schön es war, so anstrengend war es auch.

Ich wurde gar nicht richtig wach heute Morgen. Die Waden tun mir weh vom bergauf, bergab, den trabenden Esel spüre ich noch immer im Hintern und geraucht habe ich auch zu viel in den vergangenen Tagen.

Der Lichtblick des Tages, die netten Mails aus Deutschland, wurde zunichte gemacht vom Stromadapter, den ich bald eine ganze Stunde lang überreden musste, doch bitte den Stecker für den Laptop festzuhalten. Immer wieder rutschte er aus der richtigen Position, manchmal sofort, manchmal erst nach einigen Minuten – das natürlich ohne dass ich dabei am Kabel gewackelt hätte. Am liebsten hätte ich alles aus dem Fenster geworfen, aber das wäre ja auch keine Lösung gewesen. Schließlich erwies sich das Laster Rauchen als Rettung – statt mit Tesafilm wie in den Tagen zuvor wird der Stecker jetzt von zwei Pappstücken aus der Zigarettenschachtel gehalten. Warum der Tesatrick vom letzten Mal heute partout nicht funktionieren wollte, bleibt mir ein Rätsel. Und erst The Gossip, Low und Feist beruhigten meine Nerven wirklich.

Schließlich ist der Akku doch wieder aufgeladen und sind alle Bilder so beschriftet, dass ich sie morgen nur noch hochladen muss. Und meine Musikdateien spielen die ganze Zeit Zufall, das bekommt mir heute sehr viel besser als das Radio. Soll die Welt doch draußen bleiben...

Jetzt kann mich endlich auch wirklich darüber freuen, dass ich vorhin eine türkischstämmige Deutsche aus Wanne-Eickel kennengelernt habe, die in Amman Wassermanagement studiert und mir beim nächsten Gespräch sicher eine Menge interessante Sachen erzählen wird. Und auch über den extrem hilfsbereiten Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung, den ich eigentlich morgen treffen wollte. Wegen des Ramadan ist das Büro allerdings nur dünn besetzt, die KAS-Expertin für Frauenfragen werde ich deshalb doch erst in ein paar Wochen treffen. Mir ist das gerade sehr recht, denn ich habe heute gemerkt, dass mich das ungewohnte Leben hier doch mehr anstrengt als ich bis gestern dachte.

Den anderen scheint es ähnlich zu gehen. Alle waren recht kurz angebunden heute. Henning ist erkältet, die anderen haben Probleme mit dem Vermieter, die arabische Unpünktlichkeit störte ein Sprachtandem.

Ich werde jetzt ein Schläfchen halten, danach etwas zu essen besorgen und mich dann mit meinem Arabisch-Buch beschäftigen bis mir wieder die Augen zufallen. Meine Beteiligung im Unterricht heute war wirklich keine Glanzleistung :(

Na gut, es ist jetzt halb zwölf, ich hab die Hausaufgaben fertig und beschließe einfach mal, dass das genug sein muss, auch wenn mir dank Kaffee noch nicht die Augen zu fallen. Ein Zigarettchen rauchen, Zähne bürsten, schlafen gehen. Ein wunderbarer Plan ;)

Ups, fast vergessen, zumindest ein Wort Arabisch einzufügen: chalas bedeutet soviel wie „genug!“ oder „Das ist alles“. Hat mir der Mann, der im Supermarkt das Gemüse wiegt, beigebracht und der sollte es ja wissen.


Samstag, 22. September 2007

mit audi gab es leider ein paar probleme. allohol und das im ramadan, tss. und dann war auch noch sein esel weg. die ganze geschichte vielleicht in ein paar tagen.


aber so lernte ich dann fausa kennen und ritt am nächsten tag mit ihm nach little petra, den platz, an dem die nabatäer zuerst die felsen bearbeiteten


an diesem hübschen plätzchen war ich mal für fünf minuten ganz allein :)


schon wieder so schöne steine


in irren formen




Freitag, 21. September 2007

der siq ist der zugang zum alten petra, fußmarsch von knapp zwanzig minuten.



wer nicht laufen will, darf kutsche fahren. die junx geben gut gas, als fußgänger sollte man sich am rand des siqs und die ohren offen halten...


der eingang von petra, millionenfach fotografiert

unter anderem von all diesem volk hier. es war wirklich ziemlich voll...


am schönsten fand ich tatsächlich die farben der steine, den wechsel der verschiedenen schichten und die erodierten formen. das kriegt keine menschliche hand besser hin.
eine kleine auswahl:






beeindruckend waren aber nicht nur die natürlichen Formen, auch der Fleiß der Nabatäer war nicht ohne. eine Grabstätte:


ganz oben befand sich der Opferplatz, die heutigen "Bewohner" Petras, die Bedu, nennen die Stätte heute al-matbach, die Küche.

ganz oben auf der spitze des monastir ist salim zu erkennen. einer der petra-bedu, der verdammt fix und barfuß da hochkletterte und dann lustig durch die fassade turnte.

noch ein blick in die berge

und dann ging die sonne unter


Donnerstag, 20. September 2007

faellt aus wegen ueberfuellung des reisegepaecks ;)

soll heißen: ich hatte das schlepptop nicht dabei und reiche den reisebericht und die stein-esel-und-beduinen-fotos am montag nach, in'scha'allah.

an dieser stelle aber vielen, vielen dank für all eure lieben kommentare und mails. ich freu mich ueber jedes wort, jedes bild und ueberhaupt...

bis spaeter also!

schwierig zu fotographieren, aber wirklich sehr beeindruckend. petra by night. würden die touristen auch noch begreifen, dass sie mit ihren blitzen die gesamte stimmung versauen, dann wäre der trip wirklich jeden der 12 dinar wert gewesen. so musste man immer wieder die augen vor schmerz zusammenkneifen, statt einfach nur kerzen, felsen und arabische musik auf sich wirken zu lassen. naja, nix is perfekt, gelle.



Mittwoch, 19. September 2007

Manchmal gehen Wünsche einfach so in Erfüllung. Weil so viele von uns in Level 3 wollen, wurden aus den zwei Klassen drei gemacht. Die Namen derer, die in die C-Gruppe eingeteilt wurden, wurden am Ende des heutigen Unterrichts verlesen und siehe da: Ich werde mit meinen freundlichen Helfern Meagan und Henning in einer Gruppe sitzen. Eigentlich kann jetzt nichts mehr schief gehen. Dem Unterricht heute konnte ich gut folgen; alle Wörter, die ich nicht kannte, wurden von der Lehrerin übersetzt. Und es tat auch gut zu sehen, dass nicht nur ich eifrig mitschrieb. Ich darf sogar stolz vermelden, dass ich zwei richtige Antworten geben konnte. Gleich will ich mich an die Vokabelkarten setzen. Es ist einiges zu tun...

Als ich zurück ins Hostel kam, fragte ich sofort nach der Waschmaschine und wäre fast abgewimmelt worden. Wann ich denn morgen zurück ins Hostel käme, wollte die ältere Frau wissen, die scheinbar für die Verwaltung hier zuständig ist. Gar nicht, lautete meine Antwort. Weil ich ja morgen mit Janneke nach Petra fahre. Also wurde der Schlüssel für mich gesucht und ich konnte doch noch waschen. Die Maschine ist ein ziemlicher Brecher; ich hätte meine gesamte Wäsche darin unterbringen können. Kauthar, die aus Basra stammt, schenkte mir sogar noch ein Päckchen Waschmittel, weil ich angenommen hatte, das wäre im Preis mit drin. Sie wollte kein Geld, also werde ich ihr in den nächsten Tagen ein neues Päckchen mitbringen. Oder vielleicht doch lieber etwas Süßes? Jedenfalls hängt das Zimmer jetzt voll mit Wäsche, die zu meiner Freude auch ziemlich sauber wirkt. Lediglich die Schmutzränder an den Enden der Hosenbeine sollte ich das nächste Mal wohl vorbehandeln.

Außerdem musste ich heute zum ersten Mal Zigaretten kaufen, weil das Päckchen mit den Blättchen leer ist. Ich musste den Verkäufer zweimal fragen, wie viel Geld er von mir haben will, weil ich es gar nicht glauben konnte: 1 Dinar für eine Schachtel Gauloises. (Der einzige Unterschied zu den europäischen scheint der weiße Filter zu sein.) Ein Dinar entspricht in etwa einem Euro. Da kann man doch gar nicht mit dem Rauchen aufhören!

Von der Konrad-Adenauer-Stiftung kam heute eine SMS, die Hanns-Seidel-Stiftung rief an, von der NGO Karama kam eine Mail zurück. In der kommenden Woche werde ich ihre Büros besuchen und hoffentlich eine Menge Telefonnummern und Anregungen mitnehmen.

Außerdem habe ich die Internetseite der syrischen Botschaft in Amman gefunden. Fast alles war auf Arabisch, aber zumindest die VISA-Abteilung hatte eine englische Seite und das Antragsformular online. Ich habe Ihnen eine Mail geschrieben und hoffe, dass ich in der nächsten Woche dort vorbei fahren kann und ein Visum bekomme.

Ich wünschte wirklich, ich könnte schon so gut auf Arabisch diskutieren wie auf Englisch.

Oder wie auf Deutsch. Ich schlage mich nämlich mal wieder mit der Telekom herum. Die hatten doch tatsächlich die Dreistigkeit, mir eine Rechnung bis zum 30. September zu schicken, obwohl ich den Anschluss zum 9. gekündigt habe und das schon vor über einem Monat. Ich mailte Widerspruch und forderte eine korrekte Rechnung. Und was kriege ich zur Antwort? Es tue ihnen leid, die Kündigung sei nicht rechtzeitig vor der Rechnungserstellung bei Ihnen eingegangen und sie würden den Betrag dann im nächsten Monat verrechnen. Das ist ja wohl total gaga! Womit bitteschön wollen die das denn verrechnen, wenn ich gar keinen Anschluss mehr habe und ergo auch gar keine Kosten mehr produziere? Es war so eine hervorragende Idee, das alte Konto vor meiner Abreise aufzulösen – sonst müsste ich jetzt garantiert monatelang mit denen rumstreiten, damit ich mein Geld zurück bekomme. Denn den Widerruf der Einzugsermächtigung hätten sie sicher auch geflissentlich ignoriert. *grmpf* Ich weiß echt nicht, ob ich lachen oder schimpfen soll.

Dienstag, 18. September 2007

Seit heute bin ich in Level 3. Ich bin selbst noch etwas überrascht und auch ein wenig ängstlich, weil ich fürchte, sehr schnell den Anschluss zu verlieren. Aber nachdem der erste Text im Buch des zweiten Levels mit sabah al-cha’ir, Guten Morgen, begann und wir jeden Satz mindestens viermal wiederholt haben, beschloss ich, dass das Niveau doch zu niedrig für mich ist. Die allgemeinen Grußformeln gehen mir schließlich mittlerweile flüssig über die Lippen. Natürlich würde ich auch in Level 2 etwas lernen, aber ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass ich selten mehr lerne, als unbedingt nötig. Ich würde Jordanien verlassen, ohne das Maximum herausgeholt zu haben. Das Risiko, in ein paar Wochen frustriert zwischen meinen Vokabelkarten zu sitzen, will ich eingehen.

Die Sätze im ersten Text des Level 3-Buchs waren bereits deutlich komplexer, der Lehrer sprach weit schneller und ich habe nicht alles auf Anhieb verstanden. Aber auch hier wurden die Sätze mehrfach wiederholt und im Zweifel muss ich die Texte eben mit dem Wörterbuch vorbereiten. Außerdem sah ich deutlich, dass auch einige andere Schüler Schwierigkeiten hatten, Text und Lehrer zu verstehen.

Der Unterricht war gerade zu Ende, da klingelte mein Telefon. Die zweite Überraschung des Tages. Mayuf, mein Vater, war in der Leitung. Noch gestern hatte ich darüber nachgedacht, ihm eine Beschwerde-Mail zu schreiben, weil ich schon seit gut zwei Wochen auf seine Antwort warte. Die Verbindung war sehr schlecht, deshalb vereinbarten wir, dass ich ihm eine Mail schreiben sollte. Nur kurze Zeit später kam seine Antwort. Er ist doch nicht in Syrien, aber er will mich dort in knapp zwei Wochen treffen. Nach Amman könne er nicht kommen, schrieb er. Nun muss ich schnell herausfinden, ob und wie ich nach Syrien reisen kann und wo genau wir uns dort am besten treffen. Ich denke, ich werde meine Recherchen in Amman verschieben. Ich habe Mayuf seit über drei Jahren nicht mehr gesehen.

Bis vier Uhr lud ich endlich alle Texte in den Blog und schlug mich mit der Formatierung herum. Aber jetzt ist alles in lesbarem anderthalbfachem Zeilenabstand und bereits mit einigen Fotos versehen. Vielleicht ändere ich in den nächsten Tagen noch einige Dinge, aber insgesamt bin ich ganz zufrieden mit dem Erscheinungsbild von crossing jordan. Einige Freunde haben meine Schreiberei schon kommentiert. Alf schukr, tausend Dank, ihr Lieben! Ob ich das gute Stück anderweitig verlinken lasse, muss ich noch überlegen.

Meine Waschpläne für den Nachmittag lösten sich leider in Luft auf, weil der Raum mit der Waschmaschine abgeschlossen war. Zeynat versprach aber, dass sie den Schlüssel morgen für mich bereithalten will. Ich bin gespannt und erwarte, dass ich eines dieser lustigen britischen Modelle vorfinden werde, deren Qualität mich in Spanien nicht recht überzeugen konnte. Dennoch: Auch so eine Maschine wird meine Handwaschkünste toppen.

Die dritte Überraschung: Ich werde mich von der Liste für die Rundfahrt durch Amman am Samstag streichen lassen und stattdessen mit Janneke, der Niederländerin, nach Petra fahren. Sie ist nur für sechs Wochen in Jordanien und will deshalb viele Sachen auf eigene Faust unternehmen. Als sie mir von ihren Plänen erzählte, bot ich ihr spontan meine Begleitung an. Sie war ganz angetan von dem Gedanken, nicht allein reisen zu müssen. Vorhin rief sie an und hatte schon fast alles organisiert. Wir wollen am Donnerstag mit dem Bus nach Petra fahren und am Samstag zurückkommen. Das wird sicher ein netter Trip, ich mag sie gern. Und zu zweit werden wir wahrscheinlich sehr viel entspannter durch die rote Felsenstadt bummeln als mit der ganzen Gruppe.

Außerdem habe ich endlich eine Möglichkeit gefunden, die vielbefahrene Hauptstraße fast komplett zu meiden, wenn ich zur Uni und zurück laufe. Der Verkehr dort ist zu allen Tageszeiten ziemlich dicht, selbst nachts höre ich die gesamte Zeit Autos auf der Straße. Haut und Lunge werden mir für den kleinen Umweg danken. Nach der kleinen Nebenstraße direkt vorm Hostel werde ich künftig den gesamten restlichen Weg auf dem Campusgelände zurücklegen. Als ich das erste Mal den Wächter am Tor vor dem Deanship-Gebäude fragte, ob ich dort auf das Universitätsgelände komme, verneinte der. Ich habe bis jetzt nicht verstanden, warum er mir diese Antwort gegeben hat. Eine meiner Mitstudentinnen meinte, er habe es vermutlich selbst nicht besser gewusst. Auf der Suche nach meinem Lehrbuch bin ich aber mittlerweile von der anderen Seite an das Tor herangekommen und weiß es nun also selbst besser.

Nach dem obligatorischen Schlaf, al-naum, geht’s jetzt in die Küche, al-matbach. Der kleine Unfall gestern hat übrigens keine Spuren hinterlassen ;) Und danach noch mal an den Rechner für ein paar Mails und an mein Lehrbuch, damit ich morgen nicht völlig verloren und ohne Vokalisierungszeichen in der Klasse sitze.

Ich verspreche übrigens feierlich, mich nicht mehr über deutsche hot rotations zu beschweren. Wenn ich noch einmal „Hey there Delila“ (Hab ich den Namen richtig?) höre, krieg ich nen Krampf. Lustig find ich dagegen, dass in Justin Timberlakes „Love stoned“ die Zeile „she looks like a model, except she got a little more ass“ zensiert ist. Der Hintern fehlt einfach. So was aber auch ;)

Montag, 17. September 2007

Ich bin gerade von meinem Nachmittagsschläfchen aufgewacht. Ich habe geträumt, ein paar der Allerliebsten hätten mich vor der Abreise am Bahnhof überrascht. Ich stand am Taxi mit meinem Gepäck und wollte es gerade schultern, um zum Bahnsteig zu gehen. Es war ein großes Hallo und Juchhu, wir haben gelacht und geredet und uns vor lauter Abschiedsfreude fast von zwei Straßenbahnen überfahren lassen. (Aber nicht, dass mich jetzt einer fragt, wo genau am Bahnhof denn eigentlich Straßenbahnen fahren!) Ein netter Traum. Allerdings war es ganz gut, dass die Realität anders aussah. Ich hätte sonst sicher meinen Zug verpasst ;)

Das Fasten wird gerade gebrochen, die Störungen in den Lautsprechern der Moschee knattern das Allahaa usw. heute fast tot.

Ich denke, ich werde in Level 2 bleiben. Die Lehrer sprechen ausschließlich arabisch mit uns, nur wenn wir sie absolut nicht verstehen, schieben sie ein paar erklärende Worte auf Englisch ein. Ich finde das zwar großartig, denn so haben wir viel bessere Chancen, die Sprache wirklich zu lernen. Aber da mein bisheriger Unterricht in Deutsch gegeben wurde, waren die zwei Stunden heute Morgen ziemlich anstrengend. Ich fürchte, in Level 3 wäre ich völlig verloren.

Danach wollte ich das Lehrbuch kaufen und traf kurz vorher meine Lehrerin, die sagte, dass das Buch neu aufgelegt wurde und wir uns unbedingt die neue Version geben lassen sollen. Ruth aus Österreich und Florian kamen mit mir und wollten ihre alten Bücher gegen neue umtauschen. Allerdings behauptete der Mann hinter dem Tisch beharrlich, es gebe gar keine neue Version. Er telefonierte mit Leuten aus dem Sprachzentrum, al-markas al-luraat, und erklärte uns dann, dass er unsere Lehrerin davon überzeugt habe, die alten Bücher weiter zu benutzen. Ich werde mit dem Kauf bis morgen warten, denn so kann ich hören, was die Lehrerin tatsächlich dazu sagt.

Mit Florian ging ich dann zur Bibliothek, um Kopien von unseren Pässen für die Polizei zu machen. Das Wort für Kopie ist das gleiche wie für Bild, as-sura. Dabei habe ich zum ersten Mal das Geldstück mit dem Wert zehn Fils gesehen, es sah aus wie unser fünf-Cent-Stück. Das Geld verwirrt mich noch immer hin und wieder, weil zum Beispiel die 100-Fils-Münze die Bezeichnung 10 Piaster trägt, aber überall in Fils gerechnet wird.

Dank Amy und ihrem arabischen family-brother verlief der Besuch bei der Polizei ziemlich unkompliziert. Allerdings hat die Frau hinter dem Schalter mein Halb-Jahres-Visum nur für drei Monate bestätigt und wollte weder Fragen beantworten, noch mit sich diskutieren lassen. Sie sagte, ich solle mein Visum in drei Monaten bei einer anderen Polizeistation verlängern lassen. Außerdem könne ich ja kurz mal nach Israel oder Syrien ausreisen und mein dann neues Visum verlängern lassen. Die klassischen Antworten halt. Naja, jetzt bin ich erst mal drei Monate offiziell gemeldet und alles Weitere wird sich finden, in’scha’allah. Die Kopien haben wir natürlich nicht gebraucht, genauso wenig wie den Zettel von der Uni, der besagt, dass wir Studenten sind...

Preisfrage: Was habe ich getan, nachdem ich zurück im Hostel war? Richtige Antwort: Gegessen. Lecker Brot mit Käse und Gurke. Danach habe ich versucht für meine Recherche zu telefonieren, aber fast niemanden erreicht, und noch ein paar Mails an potenzielle Interviewpartner geschrieben, die ich morgen abschicken werde. Ich freu mich schon auf den 24-Stunden-Internetzugang in meinem Appartement.

Jetzt zieht der Duft von frisch gebratenem Hühnchen durchs Haus, mein Magen rumort und ich werde mich gleich in die Küche stellen und endlich kochen.

Der Vollständigkeit halber: Das Hühnchen war ein Fisch, seit drei Stunden im Topf. Die Russin – eigentlich eine Ukrainerin, aber sie bezeichnet sich selbst als Russin, und ich hab leider vergessen, ein zweites Mal nach ihrem Namen zu fragen – hat Haarausfall. Sie habe alles schon probiert, erzählt sie, während ich mein Gemüse schnippele. Jetzt habe ihr eine Tante empfohlen, einen Fisch vier Stunden lang zu kochen und dann zu essen. Die Haare, so hofft sie, werden danach aufhören, in Strähnen auszufallen. Während sie auf ihren Fisch wartet und ich mein Essen koche, reden wir. Sie spricht zum Teil gleichzeitig arabisch, englisch und russisch und gibt im Verlauf des Gesprächs noch einiges anderes an Vorurteilen und Aberglauben preis. Vor fünf Jahren kam sie im Auftrag einer ukrainischen Zeitung nach Jordanien, wollte eigentlich nur drei Monate bleiben. Dann kam ein Jordanier in ihr Büro und fragte so direkt wie es nur ging: Will you marry me? Sie habe zunächst verneint, später aber doch Ja gesagt. Mittlerweile ist sie wieder geschieden und lebt deshalb hier im Hostel. Jetzt hat sie eine Verabredung, deshalb kann ich nicht weiter neugierig sein.

Auf die Liste der vergessenen Dinge: Eine Brandsalbe. Der Geschirrtuch-Topflappen hat beim Nudelwasserabgießen versagt. Autsch! Aber auch diesmal ist das Jammern auf hohem Niveau, weil ich zum Glück eine dieser Gelkompressen dabei habe, die nach einem Aufenthalt im Kühlschrank wunderbare Dienste bei kleineren Verbrennungen leisten. Das Tippen wird halt ein wenig behindert...

Sonntag, 16. September 2007

Yalla, yalla, yalla; meine Lehrerin ist von der ganz schnellen Sorte. Wir haben die Buchstaben wiederholt. Sie wollte wissen, mit welchen Grammatikregeln wir Probleme haben. Und immer wieder: „If you know this already, go to level three.“ Ich will mir ihren Unterricht morgen noch mal anschauen, vielleicht wechsle ich dann tatsächlich eine Stufe höher.

Danach habe ich mich von einem Taxi zur Jordan Times fahren lassen. Der Mann konnte mit der Adresse zunächst gar nichts anfangen, sprach kein Wort Englisch und machte mich unruhig, weil er – nachdem er mit der Jordan Times telefoniert hatte – vornehmlich durch Wohnviertel fuhr und ich so völlig die Orientierung verlor. Dann standen wir plötzlich von dem Gebäude der Jordan Press Foundation. Great verstand er nicht, mumtas sehr wohl – das brachte ihn auch endlich zum Lächeln. Ich bin so froh, dass es mit meinem Englisch so gut klappt, dass ich immer wieder vergesse, dass ich eigentlich wegen Arabisch hier bin. Den Gesprächen der Amerikaner im Sprachzentrum zu folgen, finde ich allerdings immer noch schwierig.

Im Großraumbüro der Jordan Times traf ich Rana Husseini, mit der ich nun schon einige Male telefoniert hatte. Eine große Frau in Shirt, Weste und Jeans, die Locken kinnlang und von zahlreichen grauen Haaren durchzogen. Senior Reporter steht auf ihrer Visitenkarte. Sie telefonierte und unterbrach sich eigentlich nur, um mit mir zu sprechen. Mit manchen ihrer Bemerkungen, die sie leidenschaftlich-schnell ins Telefon rief, brachte sie ihren Tischnachbarn zum Lachen; ich konnte den arabischen Witz noch nicht nachvollziehen. Vielbeschäftigt wie sie war, drückte sie mir zunächst einen dicken Ordner mit allen Artikeln der Jordan Times zum Thema Frauen in die Hand.

In der Mitte des Raums sitzend wühlte ich mich durch die vergangenen Monate, schrieb ein paar Informationen heraus und beobachtete ansonsten das Treiben um mich herum. Mir direkt gegenüber saßen zwei junge Mädchen mit langen, offenen Haare und engen T-Shirts vor den Dell-Computern, an den anderen Tischen arbeiteten Männer, telefonierten und tippten. Das Archiv der Zeitung steckt in hunderten von Ordnern, was mich an meine Anfangszeit bei den Ruhr Nachrichten erinnerte. Ich fand das ein bisschen seltsam, weil ein großer Teil der Jordan Times bereits online abrufbar ist, aber vermutlich fehlt ihnen eine Datenbank, die eine sinnvolle Suche innerhalb der Ausgaben ermöglicht.

Rana Husseini riet mir ab, mich mit den Ehrenmorden zu beschäftigen – ihr schlagendes Argument: Die Prozesse und Akten sind komplett arabisch. Mein Wissen über dieses Thema werde ich also weiter aus ihren Artikeln und anderen Veröffentlichungen beziehen. Stattdessen werde ich weiter in Richtung Arbeitsmarkt recherchieren. Denn obwohl die jungen Frauen in Jordanien genauso gut ausgebildet sind wie ihre männlichen Altersgenossen, wächst ihr Anteil an der erwerbstätigen Bevölkerung nur schleppend. Rana Husseini und Linda Hindi, eine andere Journalistin, wollen sich in den kommenden Wochen für ausführlichere Interviews mit mir Zeit nehmen. Außerdem habe ich noch einige Telefonnummern abgestaubt, die ich morgen wählen will.

Endlich zurück im Hostel war mir ganz schlecht. Am muslimischen Fasten finde ich das Trinkverbot am schwierigsten. Dürfte ich tagsüber ungeniert an meiner Wasserflasche nuckeln, hätte ich weniger Probleme. Da ich aber in meinem Reiseführer gelesen habe, dass selbst Ausländern verhaftet werden können, die sich beim Essen, Trinken oder Rauchen in der Öffentlichkeit erwischen lassen, halte ich mich tunlichst an das Gebot. Hintergrund ist, dass sich die Religionszugehörigkeit natürlich nicht immer auf den ersten Blick feststellen lässt. Ich frage mich allerdings, ob dann auch die Unterwäsche der Frauen kontrolliert wird, die gegen das Fastengebot verstoßen dürfen, weil sie ihre Periode haben. Wahrscheinlich ein total dämlicher Gedanke, denn diese Frauen werden ihr Privileg vermutlich nur innerhalb ihrer Wohnung nutzen. Jedenfalls verschwinde ich im Sprachzentrum höchstens mal für ein paar Stücke Schokolade oder Traubenzucker und einen Schluck Wasser auf die Toilette. Dass heute dabei aus der Nachbarkabine Kotzgeräusche kamen, macht die Geheimniskrämerei nicht unbedingt attraktiver.

Brot und Wasser und ne Runde Schlaf – ich fühle mich deutlich besser jetzt. Gleich kann ich auch wieder in die Küche und hoffe, Berta nicht zu treffen. Danach könnte ich noch mit Henning und Florian Tee trinken gehen, aber ich werde wohl in meinem Zimmer bleiben und einige Dinge schreiben, die ich morgen verschicken will.

Samstag, 15. September 2007

Ach, es ist furchtbar mit Technik zu arbeiten, von der man nix versteht. Ich wollte es schlau anstellen und hatte mir den Laptop von jemandem einrichten lassen, der sich damit auskennt. Leider saß ich nicht direkt daneben und konnte so nicht bei jedem Programm, das aufgespielt wurde, dumme Fragen stellen. Das Ergebnis ist, dass ich absolut keinen Schimmer habe, was zum Beispiel der so genannte Nero Scout eigentlich tut. Das wäre mir an sich egal, denn ich kann mich durchaus damit abfinden, dass ich nicht von jedem Programm auf meinem Rechner weiß, was ich damit anfangen kann und soll. Normalerweise ignoriere ich die Teile geflissentlich, so lange Spybot (Was übrigens ein ganz wunderbares Programm ist! Das ich selbst installiert habe...) nicht sagt, dass ich sie besser rausschmeißen sollte. Schlimm finde ich aber, dass ich das Teil gestern aufgeräumt habe, weil verschiedene Dokumente entweder offensichtlich leer waren oder überflüssig, und sämtliche dieser Daten heute wieder in den Verzeichnissen auftauchen. Wenn das System mich fragt, ob ich sicher bin, dass ich die gewählten Dateien löschen will und ich auf Ja klicke, sollten sie doch weg sein, oder?!?!? Sind sie aber nicht! Noch übler finde ich, dass das Ding offensichtlich überwacht, was ich auf meiner Festplatte so treibe. Naja, es war sicher gut gemeint. So weit ich es verstehe, soll mich das Teil bei der Verwaltung meiner Musik und Bilder unterstützen. Mal davon abgesehen, dass ich als Ordnungsfreak eigentlich kein Programm brauche, um durch meinen Datenwust durchzusteigen, hat der Mensch, der den Rechner eingerichtet hat, Spuren hinterlassen, die ich jetzt nicht mehr los werde. Die Dateien lassen sich zwar löschen, tauchen aber nach jedem Neustart wieder auf. Die einzelnen Ordner lassen sich gar nicht entfernen. Schon mal in nen Monitor gebissen? Für freundliche Hinweise per Mail wär ich dankbar, deaktiviert hab ich den Mist mittlerweile...

Hmm, ja, sonst hat der Tag nicht viel gebracht. Ich wollte Geld sparen und bin in meinem Zimmer geblieben statt mit den anderen noch mal durch Downtown zu streifen. Habe die Taschen fertig geflickt und auch begonnen, die Ärmel meines Mantels wieder gesellschaftsfähig zu machen. Das wollte ich auch schon seit Wochen getan haben. Arabisch gelernt, weiter über Jordanien gelesen, gegessen, getrunken, genickert, grade mal drei Zigaretten geraucht. Außerdem musste das Ersatz-MD-Gerät heute ran und den Straßenlärm und die Moschee nebenan aufnehmen. Dabei hat es sich einmal heftig verschluckt und gar nichts aufgenommen, aber die restlichen Aufnahmen scheinen in Ordnung. Für Interviews werd ich also weiterhin das Original-Schätzchen nehmen. In einem Forum las ich über mein Modell: „Ein Museumsstück, aber ein schönes.“ Besser kann ich das auch nicht formulieren. I love my little sony ;)

Gleich werde ich die Küche unsicher machen. Jetzt darf ich ja: al-schams, die Sonne, ist schon untergegangen, al-saum (wieder so ein kehlig gesprochenes Wort), das Fasten, bereits gebrochen.

Wer dabei wen verunsichert hat, sei dann aber doch noch mal dahin gestellt. Weil der Abfluss verstopft war, habe ich versucht, meinen Topf in der Nachbarküche zu spülen. Da allerdings kam das Wasser dann unten raus gelaufen. Und als ich den Mülleimer benutzte, lernte ich prompt den eigentlichen Bewohner der Küche kennen. Ich habe ihn spontan Bert getauft, Bert Schabe. Obwohl, Moment! Das hier ist ein female hostel. Dann war es wohl Berta. Gute fünf Zentimeter groß, hellbraun, lange Fühler. Wir trafen sofort eine Vereinbarung: Sie kommt mir nicht zu nahe, ich komm ihr nicht zu nahe. Gerne hätte ich für Euch ein Bildchen von ihr gemacht, aber sie schien unserer Vereinbarung so wenig zu trauen wie ich. Nach ein bisschen hin und her verschwand sie hinter dem Heizkörper.

Auf der Liste der vergessenen Dinge stehen jetzt neben dem Topf: Eine Pfanne, Topflappen, ein tiefer Teller, die Gesichtscreme (keine Ahnung, wie ich die Creme vergessen konnte – vermutlich ein Fall von akuter Senilität). Aber musch muschkiila, kein Problem, denn der Teller wird durch die Tupperschüssel ganz gut ersetzt, das Geschirrhandtuch macht sich als Topflappen ganz gut und die nette Russin von nebenan leiht mir ihre Pfanne so gern wie ihr Spülzeug.

Freitag, 14. September 2007


Ich wache auf und fühle mich schlapp. Weder der Kaffee, noch das Frühstück, noch die Zigarette helfen. Das Gefühl bleibt. Mir ist nicht schlecht, ich habe keine Schmerzen, ich fühle mich nur, als sollte ich mein Bett nicht verlassen und keine weiteren Aktivitäten außer Schlafen planen. Vielleicht ist es das Wissen, dass heute Freitag, also der islamische Sonntag, ist. Ein Tag also, an dem ich ohnehin nichts erledigen kann.

Also füge ich mich dem Gefühl und gehe zurück ins Bett. Statt zu schlafen, beschließe ich zu lesen – mein Buch über Jordanien hat noch einige ungelesene Seiten. Ich überfliege die Seiten zur arabischen Sprache, die Seiten über Religionen in Jordanien lese ich aufmerksamer, vertiefe mich dann noch mal in das politische System aus Monarch, Senat und Unterhaus. Nach gut zwanzig Seiten fallen mir doch die Augen zu, während aus der Moschee nebenan eine enthusiastisch wirkende Predigt durch die Lautsprecher schallt. Die Stimme klingt, als würde der Imam mit aller Kraft rufen, man würde ihn sicher auch ohne Mikrophon hundert Meter weiter hören und verstehen können. Er muss danach außer Atem sein, stelle ich mir vor.

Eine knappe Stunde später reißt mich er aus dem Schlaf und predigt sicher eine Viertelstunde lang, bevor der Surensänger das Mikrophon für weitere zehn Minuten übernimmt. Die Moschee muss voll mit Betenden sein, ihre Antworten dringen immer mal wieder mit durch die Lautsprecher. Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Gottesdienste sind länger und häufiger, weil heute ein Freitag im Fastenmonat Ramadan ist.

Interessant fand ich bei meiner Lektüre, dass in Jordanien alle Imame an einer staatlichen Scharia-Fakultät ausgebildet werden und nur diese staatlich ausgebildeten (und bezahlten) Religionsgelehrten tatsächlich einer Moschee vorstehen und predigen dürfen. Nicht mal Gastprediger sind offiziell erlaubt. Zudem, so das Buch von Olaf Köndgen, werden nicht nur die Inhalte der Predigten landesweit staatlich vorgegeben, sondern auch vom Geheimdienst kontrolliert. Fanatische Islamisten haben dadurch in Jordanien kaum Chancen, ein größeres Publikum zu erreichen, was natürlich nicht heißt, dass es keine gibt.

Kurz danach gibt mein Handy laut: Eine SMS aus der german corner; einer meiner Mitstudenten fragt, ob ich später mit ihm downtown bummeln will. Keine Frage, wie meine Antwort lautet.

Bis dahin werde ich mich noch mal brav an den Schreibtisch setzen und mich mit Hilfe eines Kaffees auf mein deutsches Arabischbuch konzentrieren. Außerdem habe ich endlich mein Steinarmband wieder aufgefädelt, das schon vor Wochen gerissen war. Und leider, leider musste ich auch zu Nadel und Faden greifen: Die beiden wunderschönen Taschen, die ich bei einer Dortmunder Designerin gekauft hatte, sind derart sparsam genäht, dass die Nähte schon nach wenigen Wochen an zwei Stellen aufgegangen sind. Eigentlich hatte ich erwartet, dass sie sorgfältiger arbeiten würde als die Massenfabrikanten. Das war ne herbe Täuschung. Eine empörte Mail an die Dame wird in den nächsten Tagen geschrieben, denn als ich gerade die Bauchtasche abnahm, entdeckte ich eine dritte offene Stelle. *sehrböseguck*

Der Bummel führt wieder an den wasat al-balad, meine Klamotten stinken wieder als ich heimkomme. Wir bummeln zum römischen Amphitheater, das leider verschlossen ist. Dann den gegenüberliegenden Berg hinauf zum Herkules-Tempel. Auch hier sind wir zu spät für eine Besichtigung, aber der Ausblick von der ehemaligen Zitadelle auf das unter uns liegende Viertel ist phantastisch. Zunächst sind wir zu viert; die beiden Deutschen Henning und Florian und Amy aus Ohio. Später treffen wir Gretchen, Amys Freundin, und ihren libanesischen Freund Anwar, dann noch die Niederländerin Jannika und den Rest der german corner, Katharina, Friederike und Jens. Das Fasten wird gerade gebrochen, wir finden ein kleines, simples Restaurant in der Nähe der König-Hussein-Moschee. Ich gehe kurz zum Rauchen auf die Straße, mal wieder kritisch von den umstehenden Männern beäugt. Aber als ich vergeblich mein Feuerzeug suche, wird mir lächelnd geholfen. Als ich zurück komme, ist der Tisch voll mit Brot und Schälchen voll mit Kichererbsenpüree in verschiedenen Varianten und verschiedenen Falafelsorten. Zehn satte Leute, die Wasser, Cola und Tee getrunken haben, zahlen zusammen 22 Dinar – das ist mehr als günstig. Danach führt Anwar uns noch zu einer arabischen Spezialität; von dem süßen Käse müssen wir alle essen, denn eigentlich kann niemand von uns noch mehr als ein Minzblättchen verdrücken.

Der Zufall des Tages: Friederikes kleine Schwester Henni geht auf die Schule, an der ich Abitur gemacht habe, und hat die gleiche Englischlehrerin, unsere Elfe Ms. Whitaker. Ich lasse schöne Grüße ausrichten.

Als ich gerade die Fotos auf den Rechner überspiele, klopft es. Eine Jordanierin aus dem Hostel heißt mich willkommen (ich weiß noch die Zimmernummer, habe aber ihren Namen vergessen...), in den nächsten Tagen werden wir zusammen kochen. Dass ich hier ausziehen will, versteht sie gut. Sie werde auch zum Ende des Monats in ein eigenes Appartement ziehen.

Die Wochentage sind übrigens ganz einfach, sie haben keine Eigennamen, sondern werden durchgezählt. Mit dem Sonntag beginnt die Woche, al-naum aahid, der Tag Eins. Morgen ist also al-naum sabat, Samstag beziehungsweise der siebte Tag der Woche. Der Freitag ist nicht nur al-naum chamis, der fünfte Tag, sondern auch al-a’utla, der Feiertag.