Samstag, 25. August 2012
Mittwoch, 15. August 2012
Sonntag, 12. August 2012
| Erstmal alles raus... |
| und so lagern, dass es möglichst wenig im Weg rumsteht. |
| Überraschung unter dem Boden. Planänderung. |
| Trittschall. |
| Lasieren im Freien... |
| ...läuft in deutschen Sommern nicht immer ganz komplikationsfrei. |
| Kurz vor dem großen PLATSCH. |
| Plastik, Rolle, Farbe. |
| Die letzte Ecke. |
| Die Säge sollte erst nach Denkpausen sägen. |
| Und dann steht plötzlich auch schon die Hälfte. Naja, das erste Drittel. |
| Wo rohe Kräfte walten, bricht auch mal ein Brett. |
| Fast fertig. |
Montag, 25. Juni 2012
Zum zweiten Mal in vier Tagen fiel im Zusammenhang mit meiner Arbeit das Wort Spion. Beim ersten Mal übersetzte meine Dolmetscherin das Wort nicht und war etwas überrascht, als ich erklärte, sicher keine Spionin zu sein. Beim zweiten Mal protestierte ich ebenfalls und die Umstehenden entschuldigten sich für den davonstürmenden Mann. Beide Male war ich im Gebäude von Ahram, einmal dem neuen und einmal dem alten Komplex - verwirrende Gangsysteme über 11 Stockwerke, riesige Hallen und winzige Büros, imposante Lobbby, ziemlich nah am Machtzentrum.
Heute stand ich an der Rezeption und verhandelte mal wieder die Verteilung von Fragebögen als eine alte Frau neben mich trat. "Ich brauche einen Journalisten", stöhnte sie mehr als sie es sagte. Übergewichtig, am Stock, verschmutzte Kleidung. Der Rezeptionist gab ihr die Telefonnummer eines Journalisten mit strikten Zeitangaben, wann der Anruf zu tätigen sei. Und während sie wartete, klagte sie immer wieder "Ich bin müde".
Der folgende Trailer gehört zu einer Dokumentation über Ägypten, die vor dem 25. Januar gefilmt wurde, und einen Teil der Ereignisse geradezu vorhersagt. Gänsehaut bei mir.
Ich denke noch immer darüber nach, was ich von Mursi als Präsident halten soll. Die allgemeine Stimmung in meinem Netzwerk ist: Das ist nur ein Übergang, ohne Macht und Einfluss. Wir werden sehen. هنشوف. Ich tendiere allerdings dazu zuzustimmen. Der Mann steht vor so vielen Problemen, seine vielbeschworene Renaissance wird ein hartes Stück Arbeit, Sisyphos-Arbeit um genau zu sein.
Meine Prognose "Der Tahrir wird sich bald leeren" war allerdings mal wieder nicht ganz zutreffend. Nur wird diesmal nicht protestiert, sondern gefeiert. Und das vermutlich noch bis Mursi seinen Eid geschworen hat. Samstag soll es soweit sein. Wo ist noch nicht klar. Parlament is ja grad nich. Transition eben.
Heute stand ich an der Rezeption und verhandelte mal wieder die Verteilung von Fragebögen als eine alte Frau neben mich trat. "Ich brauche einen Journalisten", stöhnte sie mehr als sie es sagte. Übergewichtig, am Stock, verschmutzte Kleidung. Der Rezeptionist gab ihr die Telefonnummer eines Journalisten mit strikten Zeitangaben, wann der Anruf zu tätigen sei. Und während sie wartete, klagte sie immer wieder "Ich bin müde".
Der folgende Trailer gehört zu einer Dokumentation über Ägypten, die vor dem 25. Januar gefilmt wurde, und einen Teil der Ereignisse geradezu vorhersagt. Gänsehaut bei mir.
Ich denke noch immer darüber nach, was ich von Mursi als Präsident halten soll. Die allgemeine Stimmung in meinem Netzwerk ist: Das ist nur ein Übergang, ohne Macht und Einfluss. Wir werden sehen. هنشوف. Ich tendiere allerdings dazu zuzustimmen. Der Mann steht vor so vielen Problemen, seine vielbeschworene Renaissance wird ein hartes Stück Arbeit, Sisyphos-Arbeit um genau zu sein.
Meine Prognose "Der Tahrir wird sich bald leeren" war allerdings mal wieder nicht ganz zutreffend. Nur wird diesmal nicht protestiert, sondern gefeiert. Und das vermutlich noch bis Mursi seinen Eid geschworen hat. Samstag soll es soweit sein. Wo ist noch nicht klar. Parlament is ja grad nich. Transition eben.
Sonntag, 24. Juni 2012
ganz Ägypten hängt vor dem Fernseher, dem Rechner, dem Radio und lauscht Faruk Sultan, dem Vertreter der Wahlkommission.
Und statt einfach das Ergebnis zu verkünden, nimmt der Mann sich nicht nur die Zeit, den gesamten Wahlprozess nochmal zu rekapitulieren, sondern verkündet jetzt auch noch genüsslich die Ergebnisse jedes Gouvernerats einzeln. Das ist Folter!
dann endlich das Ergebnis, Sultan verstolpert die Zahlen für Shafiq und als er Mursis Ergebnis verkündet, bricht Tumult los. Der neue Präsident ist also ein Muslimbruder und heißt Mohammed Mursi.
Und keine Minute später posten Freunde schon "Nieder, nieder mit Mohammed Mursi" - ich bin sicher, sie hätten ähnliches auch beim gegenteiligen Ergebnis gepostet. Die Namen sind wirklich austauschbar... Aber zumindest der Tahrirplatz wird sich wohl bald wieder leeren, dabei gäbe es noch ausreichend Zustände, gegen die sich Protest regen könnte. Die fehlende Verfassung, die Auflösung des Parlaments, die beschnittenen Rechte des Präsidenten, die weiterhin bestehende fast-Allmacht des Militärs. Stattdessen: Feierstimmung auf der einen Seite, Katerstimmung auf der anderen und leichte Erleichterung bei den mir bekannten Revoluzzern, die eher mit dem Bruder als mit dem Felul leben können. Und noch jetzt, um kurz vor Mitternacht höre ich hin und wieder Feuerwerk.
Die ersten Todesopfer gibt es auch schon. Nicht nur, weil man sich gegenseitig den Wahlsieg nicht gönnt. Nein: Freudenschüsse in die Luft haben eine Frau auf ihrem Balkon getötet. Verrückt! Bei Familie Mubarak kam die Nachricht erwartungsgemäß nicht gut an.
Und statt einfach das Ergebnis zu verkünden, nimmt der Mann sich nicht nur die Zeit, den gesamten Wahlprozess nochmal zu rekapitulieren, sondern verkündet jetzt auch noch genüsslich die Ergebnisse jedes Gouvernerats einzeln. Das ist Folter!
dann endlich das Ergebnis, Sultan verstolpert die Zahlen für Shafiq und als er Mursis Ergebnis verkündet, bricht Tumult los. Der neue Präsident ist also ein Muslimbruder und heißt Mohammed Mursi.
In Zahlen: Mursi won the run-off of Egypt's presidential election with 13, 230, 131 against his opponent, Ahmed Shafiq, who followed with 12, 348, 380.
Leicht andere Zahlen: Morsy the winner with 13,230,181 votes compared to Shafiq's 12,347,380 votes. There were 50,958,794 registered voters, with 26,420,763 casting their votes. There were 843,252 invalid votes.Die ungültigen Stimmen sind übrigens kein Hinweis darauf, dass Ägypter zu doof zum Wählen zwischen zwei Kandidaten sind. Im Gegenteil haben fast eine Millionen Menschen (auch hier differieren die Angaben mal wieder) sich für ein bewusstes Ungültig-Machen der Stimmen statt eines Nicht-Mal-Hingehen-Boykotts entschieden. Warum? Weil beide Kandidaten in der Stichwahl vor allem von liberalen, säkularen, revolutionären Kräften als Wahl der Qual begriffen wurden, die Entscheidung zwischen Pest und Cholera eben.
Und keine Minute später posten Freunde schon "Nieder, nieder mit Mohammed Mursi" - ich bin sicher, sie hätten ähnliches auch beim gegenteiligen Ergebnis gepostet. Die Namen sind wirklich austauschbar... Aber zumindest der Tahrirplatz wird sich wohl bald wieder leeren, dabei gäbe es noch ausreichend Zustände, gegen die sich Protest regen könnte. Die fehlende Verfassung, die Auflösung des Parlaments, die beschnittenen Rechte des Präsidenten, die weiterhin bestehende fast-Allmacht des Militärs. Stattdessen: Feierstimmung auf der einen Seite, Katerstimmung auf der anderen und leichte Erleichterung bei den mir bekannten Revoluzzern, die eher mit dem Bruder als mit dem Felul leben können. Und noch jetzt, um kurz vor Mitternacht höre ich hin und wieder Feuerwerk.
Die ersten Todesopfer gibt es auch schon. Nicht nur, weil man sich gegenseitig den Wahlsieg nicht gönnt. Nein: Freudenschüsse in die Luft haben eine Frau auf ihrem Balkon getötet. Verrückt! Bei Familie Mubarak kam die Nachricht erwartungsgemäß nicht gut an.
Samstag, 23. Juni 2012
Warten. Ganz Ägypten wartet. Der Name des neuen Präsidenten sollte längst bekannt sein, aber die Wahlkommission verschiebt die Verkündung immer wieder. Nun also vielleicht morgen, 15 Uhr. Shafiq oder Mursi, Felul oder Bruder, Mubarak-Minister oder Islamist? Egal mit wem ich rede - niemand ist sich seiner Prognose sicher. Sicher sind wir nur über eins: Es ist eine strategische Verzögerung. Warum? Weil Präsident Shafiq enormen Protest ernten wird und Präsident Mursi dem herrschenden Militärrat nicht genehm ist und weil die Differenz in den erhaltenen Stimmen, nach allem was man bisher weiß, extrem knapp ist.
Der Tahrir ist wieder voll - vor allem Anhänger der Muslimbrüder, an anderer Stelle demonstrieren Shafiq-Anhänger und Freunde von mir fragen auf Facebook: "Warum das? Kriegt ihr Geld dafür?". Hinter den Kulissen versuchen Militärrat und Muslimbrüder sich zu einigen. Im Staatsfernsehen versucht die alte Garde die alten Tricks:
Und ich hatte gestern die beängstigenste und zugleich lustigste Taxifahrt ever: Der ältere Fahrer wollte unbedingt über den Tahrir fahren, was ich eigentlich hatte vermeiden wollen. Dann mitten in der Menge, die nunmal vor allem aus Anhängern von Mohammed Mursi bestand, machte er sich einen Spaß daraus, allen Vorbeilaufenden "Ahmed Mursi" entgegenzurufen. Klare Ansage: Ob nun Ahmed Shafiq oder Mohammed Mursi, das ist alles der gleiche Mist. Und ich saß hinten drin und wäre zunächst am liebsten zwischen den Sitzen verschwunden Aber nachdem ich merkte, dass er nicht nur einen Heidenspaß hatte, sondern dass auch niemand aggressiv reagierte, konnte ich nicht anders: Ich giggelte den Rest der Fahrt und sicher noch eine halbe Stunde später.
Jetzt sollte ich schlafen, aber zuvor noch zwei youtube-Leckerbissen.
Die Gesänge der Fußballfans Ultras Ahlawi habe ich erst vor kurzem live und nah erlebt. Dass sie bengalisches Feuer mitten in der Menschenmenge abbrannten, fand ich eher befremdlich, ihren freundschaftlichen-ruppigen Umgang miteinander und die von ihnen ausgehende Energie dagegen mehr als sympathisch. Video vom April 2012, der Song ist weiterhin hochaktuell.
Und ein seltsam-peinlicher Werbespot, der vor gut zwei Wochen sowohl von staatlichen wie auch privaten Medien verbreitet wurde, einen Twitter- und Facebook-Aufschrei verursachte und dann mit Begründungen wie "Der Spot könnte missverstanden werden" und "Er könnte dem Tourismus in Ägypten schaden" zurückgezogen. Seitdem fangen wir immer an zu lachen, wenn einer von uns "really?" sagt - und das kommt relativ häufig vor. Der junge Mann, der den Spion spielt, wurde via soziale Netzwerke ausfindig gemacht und konnte danach sein Haus nicht mehr verlassen. So hatte er sich Berühmtheit sicher nicht vorgestellt, die arme Socke...
Der Tahrir ist wieder voll - vor allem Anhänger der Muslimbrüder, an anderer Stelle demonstrieren Shafiq-Anhänger und Freunde von mir fragen auf Facebook: "Warum das? Kriegt ihr Geld dafür?". Hinter den Kulissen versuchen Militärrat und Muslimbrüder sich zu einigen. Im Staatsfernsehen versucht die alte Garde die alten Tricks:
A state TV presenter has accused his superiors of slanting coverage in favor of the ruling Supreme Council of Armed Forces and presidential candidate Ahmed Shafiq. (...) Abdel Wahab said the director of the program directed him to broadcast the protests in Nasr city in support of the ruling Supreme Council of the Armed Forces and presidential candidate Ahmed Shafiq, and to ignore the much larger gathering of protesters in Tahrir Square. Abdel Wahab said he maintained that both shots should alternate on screen, because “they are both Egyptians." He said he told his manager:" Please, sir, excuse me, but can we please have ten seconds of Nasr (city) and ten seconds of Tahrir”.
Und ich hatte gestern die beängstigenste und zugleich lustigste Taxifahrt ever: Der ältere Fahrer wollte unbedingt über den Tahrir fahren, was ich eigentlich hatte vermeiden wollen. Dann mitten in der Menge, die nunmal vor allem aus Anhängern von Mohammed Mursi bestand, machte er sich einen Spaß daraus, allen Vorbeilaufenden "Ahmed Mursi" entgegenzurufen. Klare Ansage: Ob nun Ahmed Shafiq oder Mohammed Mursi, das ist alles der gleiche Mist. Und ich saß hinten drin und wäre zunächst am liebsten zwischen den Sitzen verschwunden Aber nachdem ich merkte, dass er nicht nur einen Heidenspaß hatte, sondern dass auch niemand aggressiv reagierte, konnte ich nicht anders: Ich giggelte den Rest der Fahrt und sicher noch eine halbe Stunde später.
Jetzt sollte ich schlafen, aber zuvor noch zwei youtube-Leckerbissen.
Die Gesänge der Fußballfans Ultras Ahlawi habe ich erst vor kurzem live und nah erlebt. Dass sie bengalisches Feuer mitten in der Menschenmenge abbrannten, fand ich eher befremdlich, ihren freundschaftlichen-ruppigen Umgang miteinander und die von ihnen ausgehende Energie dagegen mehr als sympathisch. Video vom April 2012, der Song ist weiterhin hochaktuell.
Und ein seltsam-peinlicher Werbespot, der vor gut zwei Wochen sowohl von staatlichen wie auch privaten Medien verbreitet wurde, einen Twitter- und Facebook-Aufschrei verursachte und dann mit Begründungen wie "Der Spot könnte missverstanden werden" und "Er könnte dem Tourismus in Ägypten schaden" zurückgezogen. Seitdem fangen wir immer an zu lachen, wenn einer von uns "really?" sagt - und das kommt relativ häufig vor. Der junge Mann, der den Spion spielt, wurde via soziale Netzwerke ausfindig gemacht und konnte danach sein Haus nicht mehr verlassen. So hatte er sich Berühmtheit sicher nicht vorgestellt, die arme Socke...
Montag, 18. Juni 2012
Meine Zeit hier neigt sich nun also dem
Ende zu. 8 Monate wie geplant, mit Heimaturlaub und Besuch. Und
Zeiten, zu denen ich einfach nur nach Hause wollte.
Die ersten beiden Monate waren Scheiße.
Zweimal Tote direkt um die Ecke, Pech beim Versuch, Kontakte zu
knüpfen, und zum Teil komplette Desorientierung angesichts der Fülle
von Vokabeln und Dialekt, Namen und Ereignissen.
Die Heftigkeit der Auseinandersetzungen
nahm ab und mein Wissen um Ursachen und Verbindungen zu. Das Bild hat
sich verändert, die Zahl der weißen Flecken zugenommen. Wie soll
ich auch ein Land verstehen, dass derart anderen Faktoren unterliegt
als das meine? Die Bindung zu Deutschland ist sicher nochmals
gewachsen, aus Dankbarkeit für all die kleinen Dinge, die das Leben
so komfortabel einfach machen. Aber wie soll ich verstehen, was das
Leben in einem Militärstaat ausmacht, wenn jeder Mann in Uniform
mich aufgrund meines Passes ausgesucht freundlich behandelt? (Bitte
kein Missverständnis: Ich habe keinerlei Interesse, das Innere von
Polizeistationen näher kennenzulernen!) Wie Armut, wenn ich die
wirklich armen Viertel nicht wage allein zu betreten? Wie das wahre
Ausmaß der sexuellen Belästigung, wenn ich viele der gerufenen oder
geflüsterten Obszönitäten zwar höre, aber eben meist nicht
verstehe und auf mich beziehe?
Ich frage, sehe, höre. Atme die
giftige Luft, spüre die Hitze des Sommers und die Kälte des
Winters, gönne mir meine Privilegien wie das Taxi statt den Bus.
Möchte manche Leute schlagen, andere küssen. Sitze ich im Café,
versuchen schmutzige Kinder mir Taschentücher oder Minze zu
verkaufen. Fahre ich Taxi, bin ich ständig auf der Hut und habe
schon manchen Fahrer unberechtigt verdächtigt, den Taxameter
manipuliert zu haben, aber auch nicht immer falsch damit gelegen. In
der U-Bahn wurde mir im Gedrängel versehentlich die Brille von der
Nase geschlagen, mittlerweile lasse ich auch mal eine Bahn fahren und
warte auf die nächste, weil ich das Extrem-Sardinieren nicht
ertrage.
Man muss Kairo ab und zu verlassen
können, sonst wird sie unerträglich. Die Wüste mit dem rauschenden
Sand und unendlichen Sternen. Der Nil und das lautlose Gleiten der
Felucca. Und jetzt das Camp am Roten Meer und der bunte Zoo unter
Wasser.
Ich sitze auf einer Terrasse. Polster,
Teppiche und niedrige Tische, der fönartige Wind (Stufe zwei für
Stärke und Temperatur) raschelt in den Palmzweigen, aus denen das
Dach gemacht ist. Hossam, der Camp-Betreiber, hat ruhigen Jazz
aufgelegt; Strom gibt es zweimal am Tag für je zwei Stunden aus dem
röhrenden Generator. Es ist der letzte Abend nach 3 faulen Tagen –
lesen, schreiben, schnorcheln, essen, Yoga.
Der Schnorchel zog Wasser zu Beginn,
aber die Szenen dort unten lassen es mich immer weiter versuchen. Es
ist wie in einem riesigen Aquarium. Bunt und lebendig. Fische in
allen möglichen Farben, Formen und Größen, Korallen wie riesige
Kissen oder Armeen von Speeren. Die großen, schwarzen Seeigel finde
ich bedrohlich, auch wenn ich sehe, dass ihre giftigen Stacheln
kleine Biotope bilden, den kleineren Fischen Schutz vor größeren
bieten. Den Drachenfisch finde ich faszinierend schön, auch wenn ich
weiß, dass eine Berührung nichts Gutes hieße. Ich schwebe über
ihnen und als direkt vor mir ein grün-blau-gelb-schillernder ein
großes Stück Koralle abbeißt, verstehe ich plötzlich dieses
ständige Knirschen in meinen Ohren – die Fischbevölkerung futtert
sich durch das Riff, Tag und Nacht. Als ich am Strand auf einem Stein
sitze und warte, welche Bewohner sich so zeigen, versucht erst ein
winziger Krebs in meinen Schuh zu klettern und dann eine Krabbe sich
ihren Weg an meinem Hintern vorbei zu bahnen, indem sie mir dezent
hineinkneift. Zwischen den Balken der Cafeteria haben Tauben ihr Nest
gebaut, am Abend kommen der Nachbarhund und wilde Katzen vorbei.
Wer nicht wusste, dass ich ein Faible
für Natur und Tiere haben – hier wird es offensichtlich.
Noch etwas mehr als drei Wochen. Ich
habe noch einiges zu tun – Fragebögen verteilen, Zeitungsartikel
ausschneiden, letzte Interviews führen, Inhaltsanalyse vorbereiten,
Abschied nehmen, letzte Geschenke kaufen, packen.
Ich fahre nach Hause. Ich werde
wiederkommen. Ich hoffe weiter.
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