Dienstag, 16. Oktober 2007


schlafplatz nach dem frühstück

such das kamel!


gymnastik x 2 (die süße im vordergrund ist samha, mein mädchenkamel, die einzige vierbeinige dame im trupp)

schönes desktop-bild:


der beduine ganz links ist eigentlich kanadier ;)


die aufschrift fand ich einfach zu gut

Dienstag, 9. Oktober 2007

Sodele, das Appartement ist fast fertig eingerichtet, die Doppelposts sind gelöscht (auch wenn ich sie noch angezeigt bekomme, hoffe ich doch, dass sie in Wirklichkeit schon weg sind…) und die Bilder vom vergangenen Wochenende sind hochgeladen.

Allerdings habe ich trotzdem keine Zeit, hier viel rumzulabern, denn morgen geht’s mit ein paar Leuten nach Damaskus. Keiner von uns hat ein Visum, aber mit ein bisschen Wartezeit kommen wir rein, haben uns unsere arabischen Freunde versprochen. Ich bin gespannt und packe sicherheitshalber das Backgammonspiel, Karten und haufenweise Batterien für den MP3-Player ein. Wir planen am Tag nach dem Zuckerfest, id al-fitr, zurückzukommen. Allerdings haben sich die Gelehrten noch immer nicht darauf geeinigt, an welchem Tag der Ramadan endet. Ich vermute, dass ich spätestens am Montag wieder online sein werde.

Betüttelt also derweil mein verwaistes Blog und denkt an mich. Ich hoffe, ich werde in Damaskus tanzen gehen, billig shoppen und wie irre fotografieren ;)

Lustig finde ich übrigens, dass in Amman Salsa total angesagt ist – es gibt offensichtlich haufenweise Clubs, die keineswegs nur von Ausländern besucht werden. Im Gegenteil.

Mal schau’n, vielleicht mache ich auch einen Kurs, wenn ich zurück bin. Die Hüften sollen schließlich geschmeidig bleiben und immer allein mit Kopfhörern tanzen, ist … – Ihr wisst schon, was ich meine.

Sonntag, 7. Oktober 2007

öhm, ja, also.

"ihre anfrage konnte nicht bearbeitet werden, bitte versuchen sie es erneut"

und dann doch wieder ein doppelpost... naja, ich versuch das morgen zu reparieren...
noch eben was zum thema seltsame technikwelt:

ich gebe zu, der letzte post hätte auch in einfacher version gereicht. allerdings wurde und wird (es sind mittlerweile gut 80 minuten vergangen) er mit dem firefox nicht angezeigt. mit dem explorer dagegen sehr wohl. allerdings kann der explorer nicht auf das konto selbst zugreifen, so dass ich mich wieder mit dem füchschen einloggen musste. dabei streikt der sonst normalerweise, wenn ich mich anmelden will...

wer's versteht, kläre mich auf!

Yippieh! Ich bin umgezogen. Nie wieder eine Schließzeit, kein Abmelden für Trips oder wegen anderer Gründe auswärts verbrachte Nächte und niemand mehr, der mich darauf aufmerksam macht, dass man mich mitsingen hört, wenn man im Gemeinschaftsraum einen Film guckt. Amira sah traurig aus, aber ich weiß, dass das nicht nur wegen mir ist, sondern weil ihr Leben gerade wirklich schwierig ist.

Allerdings musste ich zunächst denken, dass es sei ein Riesenfehler gewesen, hier einzuziehen. Dass das Badezimmer eine Staubwüste sein, der Kühlschrank müffeln, die Küchenplatte kleben würde und überhaupt überall Mengen dieses roten Staubs rum liegen würde, hatte ich nicht erwartet. Auch der Teppich ist noch der alte – des Ramadan wegen, wie mir der Vermieter lachend erklärte. Gut, dachte ich, dann machste halt morgen selber sauber. Das Bad bekam eine Dusche und dann wollte ich zumindest mal eben durchsaugen. Nachdem ich den Stromadapter bezwungen hatte – der vorhandene wollte ebenso wenig funktionieren wie mein mitgebrachter – stand ich in einer Wolke aus Staub, verfluchte mich dafür, dass ich meine Tasche bereits geöffnet hatte, und wär am liebsten sofort wieder ausgezogen. Ich marschierte zum Vermieter und der Grund zur Klage war offensichtlich.

Der hauseigene Ägypter (nicht ganz politisch korrekt, aber mir fällt grad keine bessere Formulierung ein) war nicht zu erreichen. Er hatte wohl vor einer Woche das Studio geputzt, aber den gründlichen Augen einer Deutschen war das eben nicht genug. Also sollte er noch mal ran und ich sollte ihm sagen, was mir nicht sauber genug war. Seltsame Vorstellung.

Ich wollte nur noch raus aus dem Staub und hab mich zur Lerngruppe bei Jay verdrückt. Ziemlich unnütz, denn sie waren schon fast fertig. Ich berichtete zum Amüsement aller von der cloud of dust und dass ich morgen Putzzeug kaufen will.

Zu meiner Überraschung stand meine Zimmertür weit offen, als ich wieder nach Hause kam. Drinnen wirbelten der Vermieter und Haitham, das ägyptische Mädchen für alles, die Staublappen. Ich setzte mich daneben, stöpselte das Modemkabel ein und alles war gut. Ich denke, hier kann ich es aushalten.

Morgen gibt es die Bilder von meinem fantastischen Wochenendtrip, jetzt wird erstmal geschlafen. Danke jedenfalls für die besorgten Nachfragen ;) Ich hatte einfach zu viel zu tun, um mich abends noch aufzuraffen und meinen Tag zu tippen... shame on me!


Samstag, 6. Oktober 2007


Dana Nature Reserve - das mit dem Grill müssen wir noch mal üben, aber der Blick in den Nachthimmel am Abend zuvor war einfach überwältigend. Da konnte man glatt den Hunger vergessen ;)


Im Wadi Mujib konnte ich leider keine Fotos machen. Es war ein großer Spaß, die ganze Zeit durch das Flüsschen waten, aufpassen, dass man in den Stromschnellen nicht weggespült wird und sich über kleine Wasserfälle kämpfen - das hätte meine Kamera nicht überlebt, aber sollte ich da noch mal hinfahren, kauf ich definitiv vorher ne wasserdichte Wegwerfkamera. Hier: Nass und glücklich.
Und dann noch Baden im Sonnenuntergang, äh, im Toten Meer:

Freitag, 5. Oktober 2007

Blick vom King's Highway...

... ins Wadi Mujib
auch für Pflanzenvernarrte schön :)


Größenvergleich:
Festung Kerak - und man darf wirklich überall hochklettern, unvorstellbar in D...

Montag, 1. Oktober 2007

Im Ramadan recherchieren scheint eine wirklich blöde Idee zu sein. Im Moment scheint wirklich jeder nur noch darauf zu warten, dass der Monat ein Ende hat. Meine Gesprächspartnerin heute war immer wieder geistig abwesend und wirkte als könne sie es kaum abwarten, dass ich das Gespräch endlich beende und sie nach Hause kann, um endlich Ruhe zu haben. Unser arabischer Nachhilfelehrer – ein Freund von Jay, der aus Palästina stammt, in den Emiraten und Syrien aufgewachsen ist und jetzt in Amman studiert – erzählte mir gestern, dass er sogar froh ist, seine Zeit mit uns verbringen zu können, weil er so nicht die ganze Zeit auf das Essen am Abend wartet, sondern abgelenkt ist. Das Essen zum Sonnenuntergang heißt übrigens ifthar, ein Wort, das eigentlich für Frühstück benutzt wird.

Ich war im „Books and Café“, das in wirklich jedem Reiseführer erwähnt wird. Es wirkte ganz nett, obwohl man wegen des Ramadan nicht draußen sitzen konnte, weil die Nachbarn auf trinkende und essende Gäste sicher allergisch reagieren würden. Selbst das Sonnensegel über dem Glasdach wurde erst kurz vor dem Fastenbrechen aufgerollt – und ich vermute stark, dass das nicht nur wegen der tagüber stechenden Sonne geschah. Auffällig fand ich außerdem, dass die weiblichen Bedienungen ausnahmslos aus dem asiatischen Raum stammten. Die Männer, die die Abendschicht übernahmen, waren mit ihren kahlgeschorenen Köpfen und ihrer hellen Haut überhaupt keiner Nationalität zuzuordnen – sie hätten genauso gut hinter einer Theke in Berlin oder London stehen können.

Die Kurzgeschichte im Unterricht heute war nett, unser Montagslehrer Khalid ist wirklich klasse: Zwei Enten leben an einem See, der plötzlich Wasser verliert. Sie beschließen ihn zu verlassen und wollen sich von ihrer Freundin, der Schildkröte, verabschieden. Die protestiert und klagt, dass sie doch noch viel weniger ohne Wasser leben könne. Also überlegen die Enten nicht lang und schlagen der Schildkröte vor, dass sie sie mitnehmen werden – und zwar mit Hilfe eines Stocks, den sie mit ihren Schnäbeln tragen werden und an dem sich die Schildkröte mit dem Maul festhalten soll. „Aber wir dürfen nicht sprechen“, warnen sie sich gegenseitig. Geplant, getan, los geht der Flug. Und alle Leute schauen zu ihnen hinauf und staunen. Das passt der Schildkröte nicht und sie gibt einen Fluch von sich, so á la „Möge Gott/Allah Euch Böses schicken“. Klar, sie fällt und stirbt. Die Moral der Geschichte? Wohl so was in der Art wie: Lass die Leute lästern und kümmer dich nicht drum.

Morgen, wenn ich es richtig verstanden habe, bekommen wir mal wieder einen neuen Lehrer. Die Nachwuchslehrerin Hiba und wir kommen mittlerweile besser miteinander klar, der Unterricht macht endlich Spaß, weil wir vorankommen. Der Dritte, Osama, wird ausgetauscht – ich hoffe, ich habe das nicht nur verstanden, weil ich es verstehen wollte... Er war wirklich schrecklich. So hat er zum Beispiel immer versucht Englisch mit uns zu sprechen, obwohl er das nicht konnte. Statt alles in einfachem Arabisch mehrmals zu erklären, suchte er nach Worten und sprach sie teilweise so falsch aus, dass nichts davon Sinn machte. Dass er immer „Im Namen Gottes“ an die Tafel schrieb, bevor er irgendetwas anderes schrieb, fand ich ja noch lustig. Ich konnte auch akzeptieren, dass er versuchte, Grammatikfragen mit Koranzitaten zu beantworten. Der Koran ist schließlich die Grundlage des Hocharabisch. Dass er aber eine Stunde lang das Alphabet mit uns übte und trotzdem sämtliche Worte in Schnellschrift, die in etwa meiner deutschen Handschrift bei Pressekonferenzen entspricht, also quasi unleserlich ist, auf die Tafel krakelte, fand ich dagegen voll daneben. Der hatte sicher noch nie ein Didaktikbuch in der Hand. Jemand hat mir auch erzählt, dass er zuvor im zweiten Level unterrichtet hat, aber nach den ersten Beschwerden zu uns geschickt wurde. Ob er jetzt arbeitslos ist? Das wünsch ich ihm natürlich nicht – aber als Sprachlehrer war er definitiv ne Fehlbesetzung.

So, genug gelästert, liebe Schildkrötenfreunde. Der Wecker klingelt um 7.31.

Aaah, verdammt! Ich glaub, ich hab mal wieder stechenden Besuch. Jetzt muss ich doch noch mal das Licht anmachen und auf die Jagd gehen. *grrrrrrrrr* ... das mistvieh hat es tatsächlich geschafft, mich innerhalb von sekunden viermal in den linken fuß zu stechen und sich dann so wirkungsvoll zu verstecken, dass meine jordan times keine chance hatte. noch dazu war es immer noch hungrig, wie ich heute morgen an dem juckenden fleck auf meinem arm feststellen konnte. *grmpf*
alles gut, ziemlich heiss wieder, ich fleissig.

deshalb kein langer text, aber ich lebe noch und plane schon wieder tolle sachen...

morgen vielleicht wieder mehr.

ma-salama ist der abschiedsgruss und bedeutet soviel wie mit der wohlbehaltenheit

ein strahlendes laecheln fuer euch alle

:))

Samstag, 29. September 2007

Das war ein guter Tag. Er begann klassisch arabisch. Um acht sollte der Bus starten, gegen neun tauchte unser Begleiter vom Lehrpersonal auf. Allerdings war der Bus zu voll und mein Name auf der Liste derer, die sich angeblich zu spät angemeldet hatten und deshalb wieder nach Hause gehen sollten. Im Verlauf der Woche sollten wir den Ausflug dann nachholen können. Wir protestierten, ich vorneweg, denn wir hatten uns tatsächlich rechtzeitig angemeldet. Allerdings hatten wir unsere Namen auf die Rückseite der Liste geschrieben, weil die Vorderseite bereits voll war. Der Protest tat seine Wirkung, ein zweiter, kleinerer Bus wurde organisiert und kurz vor zehn ging es dann tatsächlich los.

Zuerst ging es zum Berg Nibou, auf dem Moses zum ersten Mal das Gelobte Land gesehen haben soll. Leider war es sehr dunstig, so dass man kaum das Tote Meer und den Jordan erkennen konnte. Trotzdem war die Sicht mal wieder überwältigend, in der kleinen Kirche auf dem Berg gab es wunderschöne Glasfenster und bunte, kunstvolle Mosaike. Wir hatten ganze zwei Stunden Zeit umherzuwandern und die Sicht zu genießen. Janneke hatte wunderbarerweise Brot und Humus dabei und hat es großzügig mit uns geteilt, während wir hinüber nach Israel schauten.

Danach ging es nach Madaba, das vor allem für seine Mosaike bekannt ist. Leider mussten wir im Schnelldurchgang durch die Mosaikausstellung hetzen, weil unsere Begleiter – das unterstelle ich jetzt mal bösartigerweise – früh Feierabend machen wollte. Nizar ist einer der Arabischlehrer des Sprachzentrums und stammt aus Madaba, am Ende des Ausflugs blieb er in „my town“. Nach dem Museum ging es in ein Restaurant, obwohl die meisten von uns lieber sofort zurück nach Amman gefahren wäre. So saßen sechzig Leute im Obergeschoss eines Restaurants, warteten sicher eine Stunde lang auf eher teuere Sandwichs und kalte Getränke, um danach durch die St. Georges-Kirche gejagt zu werden, die für ihr Landkartenmosaik des alten Arabien berühmt ist. Die Kirche an sich ist nett, weil orthodox und daher voll mit Heiligenbildern und pompösen goldenen Kronleuchtern, das Mosaik allerdings ist nur noch teilweise erhalten und im Vergleich zu den vorher gesehenen deshalb eher unspektakulär.

Zurück in den Bus und nicht mal eine Stunde später waren wir wieder in Amman.

Ich war schon gestern mit Megan (das ist übrigens die korrekte Schreibweise *schäm*) zum Lernen verabredet, aber weil sie recht weit außerhalb bei ihrer Gastfamilie wohnt, hatte sie mir gestern Mittag abgesagt. Heute wollten wir das Lernen nachholen und landeten schließlich bei Jay (keine Ahnung, ob ich das jetzt richtig geschrieben habe...), ebenfalls Amerikaner und in unserer Gruppe, der ganz in der Nähe der Universität ein Appartement mit einem arabischen Studenten teilt. Im Haus wohnen noch andere junge Leute, unter anderem Leila, eine superhübsche Französin, die ebenfalls im Sprachzentrum lernt. Er war mit Ahmed, einem Jordanier, zum Lernen verabredet und davon profitierten auch Megan und ich. Die kurze Stunde war total klasse – er las uns den Text vor, ließ dann uns lesen und korrigierte unsere Aussprache (ich habe echte Probleme mit dem R) und stellte dann Fragen zum Text. Morgen wollen wir uns wieder treffen. Ich freue mich total darauf.

Gegen sechs kamen Leila und ein weiterer arabischer Freund, dessen Namen mir gerade entfallen ist und der mit ihr ein französisch-arabisches Sprachtandem bildet, und wir gingen in ein Restaurant in der Nähe. Drei verschiedene Arten Huhn mit Reis und Joghurt, Salat und Datteln und zum Abschluss arabischer Kaffee mit Kardamon. Wir schlugen uns die Bäuche voll und hingen dann für eine Weile zufrieden in den Kissen, tauschten englische, arabische, französische und deutsche Worte und lachten eine Menge.

Megan verabschiedete sich danach, ich begleitete Jay in sein Appartement. Eigentlich wollten wir noch eine Runde lernen, aber dann saßen wir doch nur auf seinem Balkon, von dem man einen tolle Blick auf das umliegende Viertel hat, und redeten über seinen Studienaufenthalt in Deutschland, die faszinierende Verbreitung der englischen Sprache selbst in wenig entwickelten Ländern und unsere Zukunftspläne. Er ist zum zweiten Mal in Jordanien und will in den Flüchtlingscamps arbeiten. In den nächsten Monaten will er sich einen Job suchen und dann versuchen als freiwilliger Helfer Fuß zu fassen.

Netterweise begleitete er mich nach Hause, denn mein Hostel liegt auf der anderen Seite des Campus und es war mittlerweile auch dunkel. Ich war wirklich froh über die Begleitung, denn auf dem Weg waren kaum Menschen zu Fuß unterwegs, außerdem liefen wir sicher eine Dreiviertelstunde lang. Wir wechselten immer mal wieder in Deutsch, weil er sein Deutsch erhalten möchte, aber schon lange nicht mehr gesprochen hat, unterhielten uns über Musik, Jordanien und schmutzige Witze. Für den Rückweg hab ich ihm meinen MP3-Player geliehen, morgen will ich ihm den USB-Stick voll mit deutschsprachiger Musik mitbringen.

Zu Hause zog ich noch alle Fotos und die Videosequenzen, die ich aus dem Bus heraus gemacht habe, auf den Rechner. Dann klopfte Amira und wir quatschten eine kurze Weile. Sie hat Probleme mit einem ihrer Partner, weil der gerade von ihr verlangt, dass sie ihm das Manuskript für ihr zweites Buch über Jordanien überlässt, die finanzielle Gegenleistung aber auf später verschieben will.

Jetzt bin ich müde und will nur noch schlafen, werde aber vielleicht noch mal die Vokabelkarten durchgehen. Morgen beginnt der Kurs zwar erst um elf, aber ich würde gern früher aufstehen, um einen Teil der Übungen vorzubereiten. Mal schauen, was mein innerer Schweinehund dazu sagt...
Richtung Israel

Taufbecken und Kreuz auf dem Mount Nibou

Mosaikdetail in der Kirche auf dem Berg

ziemlich freizügiges Mosaik in Madaba (die zweite Person rechts ist eine barbusige Frau...)

Kronleuchter in St. Georges



Donnerstag, 27. September 2007

Interessant bei wie vielen Gelegenheiten man Vokabeln lernen kann: Zähne putzen, nähen, Nägel feilen. Ich bin gespannt, wie lange meine Motivation anhält.

Tatsächlich tue ich sonst nicht viel. Gestern habe ich den Ausgang verschlafen. Wegen des Ramadan ist das Hostel zwischen 18 und 20 Uhr geschlossen. Ich war zwar mit den anderen Deutschen verabredet, aber aufgewacht bin ich leider erst kurz nach sechs. Ich könnte glatt meine gesamten Tage verschlafen. Jedenfalls blieb ich zu Hause und verbrachte den Abend mit Deutsche Welle TV und Amira. Genau wie den heutigen Tag. Amira hat Archäologie studiert und schreibt gerade an ihrem zweiten Buch über Jordanien. Ihr erstes Buch über Petra hat sie mir gezeigt, die Bilder sind wirklich überwältigend, die meisten russischen Buchstaben kann ich ja leider nicht mal mehr entziffern. Allerdings kam sie heute mit einer Theorie um die Ecke, nach der die monumentale Bauten schlechterdings von Hand in den Stein gehauen worden sein können, sondern mit irgendeiner Technologie geschaffen worden sein müssen, von der wir heute keine Ahnung mehr haben. Ich kann schon verstehen, wie man auf so eine Idee kommt. Denn sich vorzustellen, dass die riesigen Grabstätten mit Hammer und Meißel in den Stein gehauen wurden, ist wirklich schwierig. Dass die Menschheit allerdings Ergebnis eines genetischen Experiments ist, war mir dann doch zu abenteuerlich.

Immerhin habe ich sie mittlerweile davon überzeugt, dass ich für eine Beziehung mit einem arabischen Mann nicht gebaut bin. In den Tagen davor wollte sie einfach nicht glauben, dass ich hier keinen Mann suche. Aber nachdem ich ein paar von meinen Vorstellungen von einer gleichberechtigten Partnerschaft zum Besten gegeben habe, ist sie der Meinung, dass ich einen solchen Mann hier nicht finden werde. Weitere Kuppelversuche werden also ausbleiben, die Einladung zum Essen mit ihrem Verlobten und dem Arzt Nashat entpuppte sich tatsächlich als ein solcher. Jetzt versteht sie auch, warum ich Nashat erzählt habe, das in Deutschland ein Mann auf mich wartet, den ich heiraten will. Bei dieser Lüge bin ich nicht mal rot geworden...

Mit Hilfe eines Vorwaschsprays bin ich jetzt auch mit dem Ergebnis der Waschmaschine zufrieden. Eigentlich wollte ich die ja schon gestern benutzen, aber angeblich gab es Probleme mit der Elektrizität. Das fand ich zwar seltsam, weil überall im ganzen Haus Licht, Kühlschränke und Fernseher normal funktionierten. Aber auch nach zweimaligem Nachfragen blieb die Begründung gleich, also hab ich sie hingenommen.

Was mich irritiert hat: Obwohl Freitag ist, waren fast alle Geschäfte hier um die Ecke geöffnet. Der Supermarkt, der Telefon- und der Fotoladen, die Apotheke. Nur der Buchladen hat irgendwie nie geöffnet, wenn ich vorbeilaufe. Genau wie die beiden Grillstuben – aber das liegt wohl am Ramadan. Man stelle sich einen Sonntag in Deutschland vor, an dem alle Geschäfte ohne Sondergenehmigung offen sind.

Jetzt ist es schon wieder ziemlich spät und morgen geht es mit dem Sprachkurs nach Madaba und auf den Berg Nibou. Mich erwarten Menschenmassen, uralte Mosaike und der Ausblick, der sich Moses bot, als er zum ersten Mal das Gelobte Land sah. Und wie Tawfiq Omar bei seiner Einführung anmerkte: Der Bus wird zu spät kommen, aber wir sollten pünktlich sein. 8 Uhr morgens ist ganz schön früh.

Am spaßigsten ist das Lernen übrigens, wenn mir plötzlich die Verwandtschaft zwischen den unterschiedlichen Vokabeln auffällt. So bedeutet dschaul so viel wie um oder herum, während tadschawala (das w ist ein geschriebenes u) das Wort für besichtigen, also für umherlaufen und staunen ist :) Noch ein Beispiel? auda bedeutet Rückkehr, a’ada bedeutet Tradition oder Sitte. (Das erste a wird übrigens tief hinten in der Kehle gesprochen, weil es kein a-lif, sondern das so genannte ain ist.)

Das ist natürlich prinzipiell nix Neues für Leute, die sich mit Arabisch beschäftigen, denn die gesamte Sprache ist so aufgebaut, dass man in der Regel aus drei beziehungsweise vier Konsonanten, der so genannten Wurzel, zig Worte bilden kann. Aber diese Verbindungen so nach und nach zu entdecken und nachzuvollziehen, macht wirklich Laune.


so, heute ist waschtag (eventuell gehts mit den anderen heut abend noch nach downtown). morgen ist lerntag (am freitag kann man eh nix anderes machen...). übermorgen ist triptag (nach madaba und auf den mount nibou). und erst danach gibbet wieder neuigkeiten hier.

also nicht klagen! ;)

Mittwoch, 26. September 2007

wow, kaum schreib ich mal ein paar Tage nicht, schon gibt es Beschwerden ;)

tatsächlich habe ich vorgestern den Text über Petra geschrieben, weil ohnehin nicht viel in Amman passiert. und gestern habe ich fast nichts anderes getan als zu lernen, ich fleißiges Mädchen.

leider haben wir offensichtlich die schlechtesten Lehrer des gesamten Sprachkurses erwischt - bis auf einen, den wir aber leider nur einmal pro Woche haben. alle sind total gelangweilt und obwohl wir eigentlich die schwerste Stufe des dritten Levels sein sollen (fragt mich nicht, wie ich da rein geraten bin. es ist mir selbst ein rätsel...) haben uns die anderen längst überholt und bereits mit der zweiten Lektion angefangen. wir haben noch nicht mal die Übungen der ersten Lektion fertig und es ist kein Ende in Sicht. deshalb sitzen wir jetzt hier rum und warten auf Tafiq Omar, den Students Advisor, um uns zu beklagen. in'scha'allah taucht er in den nächsten Minuten auf, möglicherweise müssen wir auch länger warten. also nicht wundern, wenn der Text plötzlich abbricht…

tja, jetzt hab ich eben zwischendrin Mail an Mayuf geschrieben, weil ich doch nicht nach Syrien fahren werde an diesem Wochenende, und dann erfahren, dass unser Betreuer heute gar nicht da ist. Ich werde jetzt mit Meagan gehen und vielleicht mit ihr lernen, vielleicht auch einfach nur ein bisschen quatschen. Sie sagt, sie muss negative Energie loswerden, und ich bin gern in ihrer Gesellschaft.

Meagan wollte gern zu dem McDonalds, der gegenüber dem Haupteingang der Uni ist, um ihre Laune mit einem Kaffee aufzubessern. Die Chancen standen nicht gut, das war uns klar, aber wir wollten es versuchen. Tatsächlich waren die Türen verschlossen, aber ein Mann gab uns von innen Zeichen, dass wir durch den Drive Through laufen sollten. Und tatsächlich: Dort hinten gab es Kaffee und wenn wir gewollt hätten, alles andere auch. Wir verzogen uns in ein schattiges Eckchen unter Bäumen auf dem Parkplatz und beobachteten, dass noch andere diesen Trick kennen. Mehrer junge, offensichtlich arabische Männer kamen auf den Parkplatz gefahren, gingen zum Counter und verließen ihn mit gefüllten Tüten, die sie in ihren Autos sitzend leerten. Doppelmoral at its best. Und unsereins darf offiziell nicht mal im Sprachzentrum essen und trinken. Darüber darf ich nicht zu lange nachdenken...

Mein Rauchkonsum liegt mittlerweile leider wieder deutlich über fünf Stück täglich :(

Dienstag, 25. September 2007

Ich werde in die Hölle kommen. Jedenfalls wenn es nach den Beduinen geht. Denn eine Frau, die eine Katze in ihrer Wohnung duldet – egal ob sie sie füttert oder nicht – kommt in die Hölle. Von diesem Glauben hat mir der Verlobte von Amira, meiner russisch-ukrainischen Nachbarin, erzählt, als wir zum Essen in ein Restaurant fuhren. Ich hatte das Thema nicht angesprochen und nach der Geschichte auch geflissentlich verschwiegen, dass ich mich meinen Kater herzlich verbunden fühle.

Der scheint sich übrigens bei seinen Zweitmamas sehr wohl zu fühlen. Am Wochenende kam eine Mail mit Fotos vom ersten Ausgang. Die beiden haben ihm eine Katzentreppe vom Balkon aus gebaut. Und er hat sich benommen, wie ich ihn kenne: Er musste erst mit Fleischstückchen davon überzeugt werden, dass so eine Treppe eine feine Sache ist. Auf jeder Stufe lag ein Stück. Das Ganze sah auf den Bildern noch etwas wackelig aus, aber ich bin sicher, dass er mittlerweile gazellengleich hoch- und runterturnt und die neue Freiheit reichlich auskostet.



Das Essen jedenfalls war überwältigend. Wir mussten nicht mal zahlen, weil Nashat, der Freund von Osama, so heißt Amiras Verlobter, der Mutter des Besitzers des Jabri einmal das Leben gerettet hat. Nashat ist Kardiologe. Also saßen wir in diesem ziemlich vornehmen Restaurant – weiße Tischdecken, mit weißem und orangefarbenem Stoff überzogene Stühle und Stoffservietten. Um uns herum luden Männer, Frauen und Kinder die Tische voll und warteten auf den Moment des Fastenbrechens. Ehrlich! Ich hab noch nie so einen vollen Tisch gesehen. Vom Buffet schleppten Osama und Nashat alles auf einmal an: Suppen, Hauptspeisen, Salate, Desserts und Obst. Ich hatte mir nur einen Teller gefüllt und wollte, wie ich es gewöhnt bin, ein zweites oder drittes Mal ans Buffet gehen. Am Ende hätte wirklich nicht mal mehr eine Untertasse auf den Tisch gepasst. Die Minuten vergingen und ich habe nicht ganz verstanden, woran die Leute erkannten, dass sie mit dem Essen anfangen dürfen. Draußen war es definitiv noch hell. Ich vermute mal, dass es ein entsprechendes Stichwort in den überall präsenten Fernsehern gab, das ich nicht mitbekommen habe.

Besonders Nashat, der sich im Gegensatz zu uns anderen tatsächlich an das Ess- und Trinkverbot während des Tages hält, aß in einem atemberaubenden Tempo und unwahrscheinliche Mengen. Als er sich am Ende den Bauch hielt und das Gesicht schmerzlich verzog, konnte ich es mir nicht verkneifen zu sagen, dass er viel zu schnell gegessen habe. Als Arzt sollte er das doch wissen, er nickte dazu. Zu meiner Verteidigung: Er hatte vorher versucht mich anzutreiben, denn in seinen Augen aß ich viel zu langsam.

Woran ich mich auch gewöhnen musste: Die beiden Männer legten andauernd irgendwelche Fleischstücke auf meinen Teller, obwohl der durchaus gut gefüllt war. Zum Glück hatte ich schon gelesen, dass niemand von einem erwartet, dass man seinen Teller restlos leert. Im Gegenteil: Ein leerer Teller bedeutet, dass man noch Hunger hat. Also probierte ich alles durch und ließ schließlich meinen viertelvollen Teller abräumen.

Absoluter Höhepunkt waren natürlich die Desserts. Für die mächtige Schokoladencreme finde ich keine Worte außer lathith schiddan, sehr lecker. Was genau die Bestandteile der weißen Cremes war, kann ich nicht mal sagen. Irgendwelche Früchte und Gewürze und es schmeckte genauso gut wie der Käse in den süßen Teigtaschen. Mjam! Und ich gestehe: Mein Bauch fühlte sich danach auch ziemlich prall an ;)

Sonntag, 23. September 2007

Musik kann Leben retten. Ich hatte einen fiesen Tag. Der Trip nach Petra steckt mir in den Knochen. So schön es war, so anstrengend war es auch.

Ich wurde gar nicht richtig wach heute Morgen. Die Waden tun mir weh vom bergauf, bergab, den trabenden Esel spüre ich noch immer im Hintern und geraucht habe ich auch zu viel in den vergangenen Tagen.

Der Lichtblick des Tages, die netten Mails aus Deutschland, wurde zunichte gemacht vom Stromadapter, den ich bald eine ganze Stunde lang überreden musste, doch bitte den Stecker für den Laptop festzuhalten. Immer wieder rutschte er aus der richtigen Position, manchmal sofort, manchmal erst nach einigen Minuten – das natürlich ohne dass ich dabei am Kabel gewackelt hätte. Am liebsten hätte ich alles aus dem Fenster geworfen, aber das wäre ja auch keine Lösung gewesen. Schließlich erwies sich das Laster Rauchen als Rettung – statt mit Tesafilm wie in den Tagen zuvor wird der Stecker jetzt von zwei Pappstücken aus der Zigarettenschachtel gehalten. Warum der Tesatrick vom letzten Mal heute partout nicht funktionieren wollte, bleibt mir ein Rätsel. Und erst The Gossip, Low und Feist beruhigten meine Nerven wirklich.

Schließlich ist der Akku doch wieder aufgeladen und sind alle Bilder so beschriftet, dass ich sie morgen nur noch hochladen muss. Und meine Musikdateien spielen die ganze Zeit Zufall, das bekommt mir heute sehr viel besser als das Radio. Soll die Welt doch draußen bleiben...

Jetzt kann mich endlich auch wirklich darüber freuen, dass ich vorhin eine türkischstämmige Deutsche aus Wanne-Eickel kennengelernt habe, die in Amman Wassermanagement studiert und mir beim nächsten Gespräch sicher eine Menge interessante Sachen erzählen wird. Und auch über den extrem hilfsbereiten Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung, den ich eigentlich morgen treffen wollte. Wegen des Ramadan ist das Büro allerdings nur dünn besetzt, die KAS-Expertin für Frauenfragen werde ich deshalb doch erst in ein paar Wochen treffen. Mir ist das gerade sehr recht, denn ich habe heute gemerkt, dass mich das ungewohnte Leben hier doch mehr anstrengt als ich bis gestern dachte.

Den anderen scheint es ähnlich zu gehen. Alle waren recht kurz angebunden heute. Henning ist erkältet, die anderen haben Probleme mit dem Vermieter, die arabische Unpünktlichkeit störte ein Sprachtandem.

Ich werde jetzt ein Schläfchen halten, danach etwas zu essen besorgen und mich dann mit meinem Arabisch-Buch beschäftigen bis mir wieder die Augen zufallen. Meine Beteiligung im Unterricht heute war wirklich keine Glanzleistung :(

Na gut, es ist jetzt halb zwölf, ich hab die Hausaufgaben fertig und beschließe einfach mal, dass das genug sein muss, auch wenn mir dank Kaffee noch nicht die Augen zu fallen. Ein Zigarettchen rauchen, Zähne bürsten, schlafen gehen. Ein wunderbarer Plan ;)

Ups, fast vergessen, zumindest ein Wort Arabisch einzufügen: chalas bedeutet soviel wie „genug!“ oder „Das ist alles“. Hat mir der Mann, der im Supermarkt das Gemüse wiegt, beigebracht und der sollte es ja wissen.


Samstag, 22. September 2007

mit audi gab es leider ein paar probleme. allohol und das im ramadan, tss. und dann war auch noch sein esel weg. die ganze geschichte vielleicht in ein paar tagen.


aber so lernte ich dann fausa kennen und ritt am nächsten tag mit ihm nach little petra, den platz, an dem die nabatäer zuerst die felsen bearbeiteten


an diesem hübschen plätzchen war ich mal für fünf minuten ganz allein :)


schon wieder so schöne steine


in irren formen




Freitag, 21. September 2007

der siq ist der zugang zum alten petra, fußmarsch von knapp zwanzig minuten.



wer nicht laufen will, darf kutsche fahren. die junx geben gut gas, als fußgänger sollte man sich am rand des siqs und die ohren offen halten...


der eingang von petra, millionenfach fotografiert

unter anderem von all diesem volk hier. es war wirklich ziemlich voll...


am schönsten fand ich tatsächlich die farben der steine, den wechsel der verschiedenen schichten und die erodierten formen. das kriegt keine menschliche hand besser hin.
eine kleine auswahl:






beeindruckend waren aber nicht nur die natürlichen Formen, auch der Fleiß der Nabatäer war nicht ohne. eine Grabstätte:


ganz oben befand sich der Opferplatz, die heutigen "Bewohner" Petras, die Bedu, nennen die Stätte heute al-matbach, die Küche.

ganz oben auf der spitze des monastir ist salim zu erkennen. einer der petra-bedu, der verdammt fix und barfuß da hochkletterte und dann lustig durch die fassade turnte.

noch ein blick in die berge

und dann ging die sonne unter